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Sie hatten zur Veranstaltung eingeladen (v.l.): Peter Kröger vom Energieberatungsbüro Kröger in Rechtsupweg und Uwe Preschel, Innovations- und Technologieberater der Handwerkskammer für Ostfriesland.

KfW-Effizienzhaus 70 wird zur Pflicht

Bauherren und Handwerk müssen sich auf neue energetische Gebäudeanforderungen einstellen.

Ostfriesland. Für Neubauten bringt das nächste Jahr verschärfte Bauanforderungen mit sich. Dann tritt die zweite Phase der Energieeinsparverordnung 2014, kurz EnEV, in Kraft. „Ohne erneuerbare Energien läuft dann nichts mehr“, sagte Energieberater Peter Kröger vom Energieberatungsbüro Kröger in Rechtsupweg und ergänzte: „Das KfW Effizienzhaus 70 wird zur Pflicht.“ Ein solches Gebäude verbraucht 30 Prozent weniger Energie im Jahr, als ein vergleichbarer Standard-Neubau. Die Handwerkskammer für Ostfriesland hatte zur Veranstaltung „Die neue EnEV 2016 – Praktische und innovative Umsetzung“ nach Aurich eingeladen.

Das Interesse des Bau- und Ausbaugewerbes war groß. Rund 70 Handwerker waren gekommen, um sich über die Neuerungen des Bundesgesetzes zu informieren. Ziel der Regierung ist es, den Energiebedarf und den CO2-Ausstoß im Gebäudebestand zu senken – sei es beim Heizen, Kühlen, Wasserwärmen, Lüften oder Beleuchten. Die neueste Verschärfung ist ein Zwischenschritt zum Niedrigstenergiegebäude. So sollen Neubauten ab dem Jahr 2021 die Anforderungen eines sogenannten nahe Null-Heizungsenergiehauses erfüllen. „Die große Zukunftsvision ist das Plus-Energiehaus, welches sich autark mit Energie versorgt und zusätzlich noch Strom ins Netz einspeist“, referierte Kröger. Aber das, so ergänzte er, „steht wirklich noch in den Sternen“.

Die neuen Anforderungen ab 2016 betreffen vor allem den Energieverbrauch und die Dämmung. Wer ein neues Wohnhaus plant und baut, muss darauf achten, dass der berechnete, jährliche Primärenergiebedarf des Neubaus für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Kühlung den erlaubten Höchstwert nicht überschreitet. Ab 2016 sollen die derzeit geltenden Werte dann um weitere 25 Prozent gemindert werden. Neubauten müssen also ein Viertel Energie weniger im Jahr verbrauchen als ein Haus, das nach den 2015 gültigen Mindestwerten gebaut wurde. Entscheidend ist dabei nicht nur der geringe Stromverbrauch, auch der Energieträger, der ins Haus geliefert wird, wirkt sich auf die Bilanz aus. Erneuerbare Energien sind die großen Punktesammler. Hinzu kommt, dass die Dämmung den Bedarf an Wärme noch einmal um 20 Prozent senken soll. Das bedeutet: Die technischen Anforderungen an Heizung und Anlagen steigen, die verlangte Dämmung wird dicker.

Für die Anlagentechnik gilt laut Kröger: „Rein fossil betriebene Brennertechnologien sind auf dem absteigenden Ast. Elektrisch betriebene Wärmeerzeuger sowie Kraft-Wärme-Koppelungen sind die großen Gewinner.“ So sollen zukünftig die Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen, Pelletöfen und Mini-Block-Heizkraftwerke in Kombination mit Photovoltaikanlagen oder Solarthermie abgelöst werden.

Berechnet werden die Kennwerte in einem genormten Verfahren. Kröger zeigte einige Rechenbeispiele für ein Einfamilienhaus auf: So kann der Bauherr auf Sonnenkollektoren auf dem Dach verzichten, wenn er das mit einer stärkeren Dämmung und einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgleicht. Auch mit dem alleinigen Einbau einer Sole-Wärmepumpe könnten die entsprechenden Vorgaben bereits erfüllt werden. Dahingegen reiche die Installation einer Lüftungsanlage und einer Photovoltaikanlage beispielsweise nicht aus, da die Stromerzeugung auf dem Dach für den Energieverbrauch nur anteilig angerechnet werde, so Kröger. „Es gibt zig Varianten an den Werten zu drehen“, erklärte der Energieberater weiter. Wichtig sei im Vorfeld der Hausplanung, den Bauherren über die energetischen Vorgaben zu unterrichten, da die Mindestdicke der Wände und die Anlagentechnik sich auch auf die Förderprogramme auswirken. Außerdem „ist nach Fertigstellung eines Hauses die Übergabe eines Energieausweises Pflicht“, verwies Kröger zum Schluss auf die Vorgaben der EnEV 2014.

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