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Über eine gut geplante Nachfolge informierten Jochen Büter (l.), Fachberater für Unternehmensnachfolge aus Nordhorn und Helge Valentien (r.), Leiter der Betriebsberatung der Handwerkskammer.

Nachfolge von langer Hand planen

Gute Vorbereitung sichert das Betriebsvermögen, Arbeitsplätze und die Familie.

Ostfriesland. Einen Abend lang drehte sich in der Handwerkskammer für Ostfriesland in Aurich alles um die Zahl 55. Ab 55 Jahren werden die Unternehmer von der Betriebsberatung zum Thema Nachfolge angeschrieben. „Zehn Jahre vor dem geplanten Ruhestand sollten sich Inhaber darüber Gedanken machen, was mit dem Lebenswerk passieren soll“, sagte Helge Valentien, Leiter der Betriebsberatung. Seine Abteilung hatte Handwerksbetriebe zur Veranstaltung „Das Nachfolgekonzept“ eingeladen.

Sind Familienangehörige vorhanden, die Interesse daran haben, den Betrieb weiterzuführen? Gibt es einen Arbeitnehmer, der als Nachfolger aufgebaut werden kann, oder muss ein völlig fremder Interessent gefunden werden? Diese und weitere Fragen gilt es zu klären, um die Übergabe an die nächste Generation optimal zu gestalten. Welche rechtlichen, finanziellen und strategischen Dinge zu beachten sind, darüber referierte Jochen Büter, Fachberater für Unternehmensnachfolge vom Steuerbüro Menken & Büter in Nordhorn. „In Niedersachsen ist jeder vierte Unternehmer über 55 Jahre alt, ein Drittel davon hat keine Nachfolgeregelung getroffen“, erläuterte er die wirtschaftliche Problemantik. Neben einer geringen Vorbereitungsphase seien die Gründe für das Scheitern einer Übergabe häufig auch das Klammern an den Betrieb. Viele fänden oft keinen geeigneten Nachfolger, oder ihre Preisvorstellungen seien zu überzogen. Dabei böte eine frühzeitige Regelung einige Vorteile: Durch die Einarbeitung eines Nachfolgers, so der Experte, stehe das Unternehmen in der Kreditwürdigkeit besser da. Auch könnte der „Neue“ eigenes Kapital einbringen, was wiederum Betriebsinvestitionen ermögliche.

Um die Teilnehmer für das Thema zu sensibilisieren, zeichnete Büter auch einige „Worst-Case“-Szenarien auf, in denen unter Umständen sogar Fremde als Erbschaftsverwalter im Betrieb Entscheidungsrechte erhielten. „Und das sind meist keine Unternehmer“, so Büter. Wichtig sei im Vorfeld, einige goldene Regeln bei der Testamentsverfassung zu berücksichtigen, ebenso wie rechtliche Beziehungen in Ehen oder Lebenspartnerschaften. Zudem empfahl er, Patientenverfügungen für Notfälle aufzusetzen.

Es gebe jede Menge Gründe, das Betriebsvermögen, die Familie und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter rechtzeitig zu sichern. Hier riet Büter, sich kostenfrei an die Betriebsberatung der Handwerkskammer zu wenden. Ansprechpartner ist Helge Valentien, erreichbar unter Telefon 04941 1797-54 oder E-Mail h.valentien@hwk-aurich.de.

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