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Die VW-Krise ist bei den gewerblichen Zulieferern angekommen. Elektromaschinenbauer, Metallbauer, Feinwerkmechaniker und Co. sind verunsichert.

Es brummt im Handwerk

Von Sommerpause keine Spur: Die Wirtschaftslage zeigt sich nach wie vor in guter Verfassung.

Ostfriesland. Entgegen der pessimistischen Stimmung in Industrie und Handel meldet das ostfriesische Handwerk volle Auftragsbücher, Umsatzsteigerungen und gestiegene Verkaufspreise. Zum Ende des Sommers beurteilten neun von zehn Betrieben ihre derzeitige Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. Das hat die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für Ostfriesland ergeben. „Dank positiver Arbeitsmarktentwicklung, steigenden Löhnen, niedrigen Zinsen und einer hoher Konsumbereitschaft hatte das Handwerk sehr gut zu tun“, kommentierte Hauptgeschäftsführer Peter-Ulrich Kromminga die aktuellen Zahlen.

Der Geschäftsklimaindex liegt mit 58 Punkten nur drei Punkte unter dem Spitzenwert des Vorjahres. Für die anstehenden Wintermonate rechnen die Betriebe mit einer gleichbleibend guten Konjunktur (55 Punkte). Absoluter Spitzenreiter ist das Handwerk für den persönlichen Bedarf. Vor allem die Friseure, Kosmetiker und Uhrmacher melden eine sehr gute Geschäftslage (65 Punkte). Damit hat sich die Branche um 15 Zähler verbessert. „Nach der zurückliegenden Durststrecke – auch aufgrund der Einführung des Mindestlohnes und den damit verbundenen Preiserhöhungen – haben die Friseure wieder zugelegt“, zeigte sich Kromminga erfreut.

Von der regen Bautätigkeit in der Region profitieren vor allem die Ausbauhandwerke. Mit einer Bewertung von 64 Punkten (Vorjahr 66) sei die Stimmung blendend. Demgegenüber steht das Bauhauptgewerbe, welches im zurückliegenden Quartal einen leichten Dämpfer hinnehmen musste. Trotz gestiegenem Auftragsvolumen liegt die zukünftige Einschätzung der Geschäftslage mit 53 Punkten zwölf Punkte unter dem Vorjahreswert. „Es hat sich zu einem echten Problem entwickelt, qualifizierte und zuverlässige Facharbeiter zu finden, um der Nachfrage gerecht zu werden“, erklärte Kromminga. Außerdem hätten die Bauunternehmen mit einem harten Preiswettbewerb zu kämpfen.

Das Lebensmittelhandwerk werde weiterhin von dem Trend zur gesunden Ernährung und dem damit verbundenen Griff zu regionalen Produkten beflügelt. Dennoch sehen die Bäcker, Fleischer und Konditoren die zukünftige Entwicklung kritisch. Die Frage sei, wie lange der Gesundheitshype noch anhalte, hieß es.

Die Spitzenposition der vergangenen Frühjahrsumfrage haben die Gesundheitshandwerke mit 60 Punkten (Vorjahr 67) abgegeben. Hier macht sich der derzeitige Fachkräftemangel bemerkbar. Allerdings zeigt die Branche der Augenoptiker, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker, Orthopädieschuhmacher und -techniker eine rege Investitionstätigkeit. Das sei auch notwendig, sagte Kromminga, damit die Betriebe mit der technologischen Entwicklungsdynamik Schritt halten könnten.

Das Kfz-Handwerk konnte die Geschäftslage um sechs Skalenwerte auf 50 Punkte steigern. Auch der Blick in die Zukunft ist optimistisch: Jeder dritte Betrieb erwartet eine weitere Verbesserung.

Sorgen bereiten die gewerblichen Zulieferer. Die Elektromaschinenbauer, Landmaschinenmechaniker, Metallbauer und Co. konnten sich aus ihrem Wirtschaftstief nicht herausziehen. Als Schlusslicht verschlechterte sich der Wert sogar im Vergleich zum Vorjahr von 58 auf aktuell 46 Punkte. „Zahlreiche Einflüsse haben die Branche verunsichert, die das Auslandsgeschäft, die Zulieferer des VW-Werkes in Emden sowie die Landwirtschaft betreffen“, interpretierte Kromminga. Sogar jeder vierte Betrieb geht von einem weiteren Abwärtstrend aus.

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