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Geschäftsführerin Jorana Immoor (Mitte) führte die Frauengruppe durch die Kfz-Werkstatt.

Frauen erobern den Chefsessel

Zwischen Hebebühne und Reifenlager knüpfen Handwerkerinnen Kontakte.

Ostfriesland. Ein Besuch auf der „Entenfarm“ in Lütetsburg stand für 15 Frauen auf dem Programm. Die Handwerkskammer für Ostfriesland hatte hierzu eingeladen, nicht etwa auf einen Bauernhof, sondern ins Autohaus Immoor. „Früher hieß es, wir gehen zur Entenfarm“, berichtete Geschäftsführerin Jorana Immoor, die die Automarke Citroën an der Landstr. 86 vertreibt. Sie öffnete Tür und Tor für die Chefinnen, Meisterinnen und Gesellinnen während eines Frauenfrühstücks und gab Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Außerdem referierte die betriebswirtschaftliche Beraterin der Handwerkskammer, Svea Wagner, über den Einstieg mit einer Internetseite ins World Wide Web.

Mit der Veranstaltung will die Kammer der weiblichen Seite des Wirtschaftszweiges eine Plattform zum Austauschen bieten. „Wir wollen, dass die Handwerkerinnen aus dem Schatten der Männer treten“, erklärte Svea Wagner zur Aktion. Für Inhaber Johann Immoor ein willkommenes Treffen: „Frauen sind das Rückgrat des Handwerksunternehmens.“ Oft stünden die Männer im Vordergrund, die Ehefrauen zögen hinter den Kulissen die Fäden. „Ohne Sie geht es einfach nicht. Das muss gewürdigt werden“, sagte der 76-Jährige. Er habe sein Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau 1969 aufgebaut und ist sich sicher, dass sein Lebenswerk bei seiner Tochter in guten Händen ist. Sie lernte von der Pike auf im Familienbetrieb, zunächst als Bürokauffrau, bildete sich zur Service-Beraterin weiter, sattelte den Betriebswirt des Handwerks auf und besuchte Weiterbildungen zur Qualitätsmanagementbeauftragten und Auditorin. 2015 übernahm sie die Geschäftsführung. „Wir bereiten uns langsam auf die Übernahme vor“, erzählte sie. Ihr Bruder hat eine Zweigstelle in Aurich übernommen. In Ostfriesland sind sie die einzigen Fachhändler der Automarke. Nebenbei ist die 39-Jährige noch Mutter zweier Kinder. „Das geht nur, weil mein Mann mir Rückendeckung gibt“, sprach sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an.

Einige Raritäten aus früheren Zeiten, unter anderem eine Ente, hat Gründer Johann Immoor noch immer in seinen Ausstellungsräumen stehen. In der Kfz-Werkstatt hilft er noch aus, wenn Oldtimer repariert werden sollen. Ansonsten liegen die Geschicke des Unternehmens in weiblicher Hand. „Das ist kein Problem“, berichtete die Chefin. Die 20 Mitarbeiter setzen sich aus einem guten Teammix zusammen. Die älteste Mitarbeiterin verwalte das Lager. „Für die Kfz-Mechatroniker ist sie eine Respektsperson“, sagte Jorana Immoor.

„Die Arbeitswelt ist im Umbruch“, ergänzte Svea Wagner. So sei es keine Seltenheit, dass Frauen die Unternehmen führen und männerspezifische Berufe wie Tischlerin, Malerin, Elektrikerin oder Maurerin erlernten. „Eine Entwicklung, die die Handwerkskammer sehr begrüßt und unterstützt“, resümierte Svea Wagner.

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