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Freuen sich über die bestandene praktische Meisterprüfung. Einige müssen noch weitere Teilprüfungen bestehen, um sich Meister nennen zu dürfen.

Meisterliches aus Edelhölzern

Neun Tischler stellen ihre Meisterwerke in der Handwerksammer für Ostfriesland aus.

Ostfriesland. Die Ausgangslage ist für alle gleich: Vor der Prüfungskommission legen die Tischlergesellen jeweils einen fiktiven Kundenauftrag vor. Wenn dieser dem Schwierigkeitsgrad eines Meisterstückes entspricht, dürfen die Titelanwärter ihre Idee umsetzen. Ein Kundenwunsch lautete beispielsweise, ein hängendes Sideboard mit außergewöhnlich schrägen Formen herzustellen. Oder ein anderer, einen nachhaltigen Barschrank aus recyceltem Holz zu bauen. 18 Tage hatten die Tischler Zeit, ihren Auftrag zu planen und umzusetzen.

Jetzt stellten die neun Gesellen in der Handwerkskammer für Ostfriesland ihre Meisterstücke aus. Die Bandbreite der Werke reichte vom Schreibtisch über einen Kleiderschrank bis zum Waschtisch – alle so individuell und kunstfertig wie die Handwerker selbst. In den letzten Monaten hatten sie nebenberuflich die Schulbank im Berufsbildungszentrum Aurich für die Fachpraxis- und Theorie-Prüfung gedrückt. Die beste Arbeit legte Andreas Moor (28) aus Emden ab. Der Tischler arbeitet derzeit in der Automobilindustrie und möchte seine Aufstiegschancen verbessern. Die Idee zum sechseckigen Hängeschrank (Wert 9700 Euro) hat er der Natur abgekupfert. Angefangen bei einer Bienenwabe entwickelte er ein Sideboard in Form eines Diamanten. Den Korpus setzte er in amerikanischem Nussbaum um. Die Fronten lackierte er weiß hochglänzend. „Es soll ja auch schön funkeln“, sagte Moor. Um die schrägen Türen öffnen zu können, stellte Moor anhand eines Modells mehrere Versuchsreihen an. Die Maße und Winkel mussten auf einer Zehntel Stelle hinter dem Komma genau eingehalten werden. Extra dafür eignete sich Moor das Zeichenprogramm AutoCAD an. Der Clou: Die Türen und Schubkästen sind per Handdruck mit elektronischer Unterstützung zu öffnen und zu schließen.

Ein weiteres ungewöhnliches Werk ist das wandhängende Badmöbel aus Roseneiche von Nico Schweer (Holtland) im Wert von rund 20.000 Euro. Der 20-Jährige arbeitet bei der Tischlerei Pannhusen & Rademacher in Neermoor und finanziert seine Meisterausbildung mit einem Stipendium der Stiftung für Begabtenförderung. In den drei unteren Schubkästen verbaute er Edelstahl-Aufsätze als Sonderanfertigung. Das Highlight ist ein selbst entworfenes Waschbecken aus Palmen-Holz mit einer Edelstahleinlage: „Alleine daran habe ich drei Tage getüftelt“, erzählte Schweer. Das Holz sei hart wie Glas und entsprechend schwer zu verarbeiten.
Auch Frank Rademacher (26) aus Großefehn griff zu ungewöhnlichem Holz. Für seinen Barschrank verwendete er 100 Jahre altes Ständerwerk eines alten Hauses. Den rechteckigen Korpus aus Eiche lackierte er weiß stumpf-matt. Die Fronten wurden geräuchert und gebürstet. In der Mitte setzte er Rotweinflaschen mit Beleuchtung in Szene. Auch Schubfächer für Weißwein und Whisky sind vorhanden. Die Gläser griffbereit darüber platziert.

Die neuen Meister sind:
Matthias Lange (Detern), Andreas Moor (Emden), Alfred Noormann (Großefehn), Katharina Suntken (Moorweg), Ingo Wilbers (Krummhörn).

Die Meisterprüfung Teil I und II haben bestanden:
Jan Hemken (Uplengen), Frank Rademacher (Großefehn), Nico Schweer (Holtland), Alexander Winter (Leer).

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