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Thomas Stracke (l.) von der Friesischen Verschleißtechnik zeigt der Exporttour-Gruppe mit LHN-Hauptgeschäftsführer Michael Koch (r.) und HWK-Außenwirtschaftsberater Helge Valentien (3.v.l.) die Schmiedearbeiten.

Von Ostfriesland in die Welt

Exporttour in Ostfriesland: Handwerk und Politik besichtigen „Friesische Verschleißtechnik“ in Uplengen und EAFT in Emden.

Ostfriesland. Handwerkliche Produkte und Dienstleistungen aus Ostfriesland sind auch im Ausland gefragt. Das wurde deutlich, als die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) gemeinsam mit der Handwerkskammer für Ostfriesland (HWK) während ihrer „Exporttour“ im Landkreis Leer und Emden Station machte. Zuerst besuchten die Vertreter aus Politik und Handwerk die „Friesische Verschleißtechnik“ in Uplengen, dann am Nachmittag die „Emder Anlagen- und Fahrzeugtechnik“, kurz EAFT.

Handwerk ohne Grenzen

„Die Ostfriesen betreiben traditionell durch die gute Nachbarschaft zu den Niederländern grenzübergreifende Geschäfte. Aber eine Vielzahl an Handwerksbetrieben ist auch auf internationalem Parkett tätig“, betonte Handwerkskammerpräsident Albert Lienemann. Der Besuch dient dazu, mit Unternehmen, die im Auslandsgeschäft tätig sind, ins Gespräch zu kommen. LHN-Hauptgeschäftsführer Michael Koch stellte das Projekt „Handwerk ohne Grenzen“ vor. „Kleine und mittlere Betriebe waren zu allen Zeiten im Ausland aktiv und haben sich den Herausforderungen neuer Märkte gestellt.“ Mit Einführung des Projektes vor mehr als 20 Jahren wurden diese Aktivitäten durch Außenwirtschaftsberater der LHN und der Kammern unterstützt. Auch auf politischer Ebene setzt sich die Organisation ein. „Wir wollen, dass in Brüssel die richtigen Entscheidungen getroffen werden“, sagte Koch zu den 19 Gästen, zu denen auch die Landtagsabgeordneten Ulf Thiele, Hillgriet Eilers und Maaret Westphely zählten sowie der Mittelstandsbeauftragte des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums, Joachim Braun.

Buchsen und Bolzen für gigantische Bagger

Geschäftsführer Thomas Stracke gab den Besuchern einen Einblick in die Produktpalette der Friesischen Verschleißtechnik, welches 1995 als Ableger aus den Stahlwerken Augustfehn hervorging. Die zehn Mitarbeiter haben sich auf geschmiedete Gleitlager und Verschleißteile für die Förderungstechnik und Recycling-Industrie spezialisiert. Meist werden die Buchsen, Bolzen und Ersatzteile in gigantischen Schaufelradbaggern im Braunkohle-Tagebau in aller Welt eingesetzt. Aber auch in Nassbaggern und Spezialschiffen, die Gestein aus Flüssen oder Hafenbecken aufnehmen, werden sie verbaut. Ausgangsmaterial ist ein besonders robustes Manganhartstahl, welches durch ein spezielles Schmiedeverfahren verfeinert wird. Die Bauteile aus dem sogenannten Manga-Dur sind besonders resistent gegen Verschleiß und daher begehrt. Geliefert wird in Länder wie Polen, Bulgarien, Griechenland, Tschechien, Rumänien und Serbien. Seit kurzem zählt auch ein Bergbaukonzern in Chile zum Abnehmer. Zu hohe Einstiegshürden gebe es in Australien und China, berichtete Stracke. Große Transportaufwände und lange Zollwartezeiten prägten das Auslandsgeschäft. Dem könne der Geschäftsführer allerdings hohe Umsätze und eine gute Zahlungsmoral entgegensetzen.

Verlängerte Werkbank der Bundeswehr

Auch die Nutzfahrzeuge der EAFT – Emder Anlagen- und Fahrzeugtechnik sind weltweit gefragt. Das Unternehmen mit 120 Mitarbeitern ist eine Tochtergesellschaft der Dirks Group (Emden) und langjähriger Partner der Bundeswehr und Nato. „Wir sind die verlängerte Werkzeugbank der Bundeswehr“, betonte Geschäftsführer Dr. Patrick Neuhaus während seiner Firmenpräsentation. EAFT hat sich auf die Instandsetzung, Wartung und Unfallreparatur gepanzerter und ungepanzerter Fahrzeuge spezialisiert, ist aber auch im zivilen und kommunalen Bereich tätig. Ein Kerngeschäft ist die Nutzungsdauerverlängerung (Refurbishment). Die Kfz-Mechatroniker generalüberholen Flugfeldlöschfahrzeuge, Tankfahrzeuge und alle von der Bundeswehr eingesetzten Transportpanzer und Rüstsatzträger und verkaufen sie an befreundete Nationen. „‘Refurbishment in Germany‘ impliziert ein Qualitätsversprechen. Das können nur wir“, sagte Neuhaus. Vor kurzem sei eine Lieferung von 109 Transportern an die Schwester-Gesellschaft BDT in Estland ausgeliefert worden. Ersatzteilpakete wurden nach Tunesien geschickt. Und israelische Streitkräfte hätten die Wiederaufbereitung von einigen Schneekettenfahrzeugen in Auftrag gegeben.

Die Handwerkskammer für Ostfriesland bietet ihre Außenwirtschafts-Beratungsleistung für Mitgliedsunternehmen kostenfrei an. Ansprechpartner ist Helge Valentien, erreichbar unter Tel. 04941 1797-54 oder h.valentien@hwk-aurich.de.

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