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In traditioneller Kluft posierten die freireisenden Wandergesellen und feierten mit Zimmermann Heinrich (5.v.r. hinten) aus Emden seine Heimkehr.

Wandergeselle hängt Kluft an den Nagel

Zimmermann Heinrich kehrt in seine Heimat Emden zurück.

Ostfriesland. Auch in der Handwerkskammer für Ostfriesland ist eine große Gruppe an Wandergesellen selten: 13 freireisende Gesellen und eine Gesellin trugen ihren „traditionellen Schnack“ in der Kammer vor. Dafür erhielten sie einen Stempel für ihr Wanderbuch und einen kleinen Obolus für die Reisekasse. Freireisende gehören keinem Schacht an. Sie halten jedoch die traditionellen Regeln des zünftigen Wanderns ein.

Die Handwerker – Tischler, Gerüstbauer, Schlosser oder Korbflechter – hatten etwas zu feiern. Zimmermann Heinrich, seinen vollen Namen wollte er nicht nennen, war auf dem Weg in seinen Heimatort Emden, um seine Reise nach vier Jahren und 14 Tagen zu beenden. Während der Walz ist es den Gesellen aufgrund eines Bannkreises von fünfzig Kilometern um den Heimartort untersagt, ihn für drei Jahre und einen Tag zu betreten. Für Heinrich „war es eine schöne Zeit“, erzählte er. Er habe gearbeitet, um zu reisen. Sein Weg führte ihn in Länder wie Österreich, Schweiz, Spanien, Marokko, Sri Lanka oder Indien. Dort habe er unter anderem an Baumhäusern oder örtlichen Schulen gearbeitet.

Er freue sich nun auf „die eigenen vier Wände, Freunde, Familie und geregelte Strukturen“. Auch seine traditionelle Kluft, die er sich „mit der Walz verdient hat“, dürfe er nun „an den Nagel hängen“. Zuvor allerdings musste er noch über das Ortsschild von Petkum klettern und eine Schnapsflasche ausbuddeln. Die hatte er dort zu Beginn seiner Wanderschaft vergraben, um bei der Rückkehr zu feiern.

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