Die Auftragsbücher der Ausbauhandwerker sind gut gefüllt. Für Kinden ergeben sich daraus lange Wartezeiten. ©amh-online.de

Handwerkskonjunktur bleibt in Fahrt

Auftragslage stimmt ostfriesische Unternehmen optimistisch.

Ostfriesland. Die gute Stimmung im Handwerk hält zum Jahresstart an: Die ostfriesischen Betriebe melden Umsatzsteigerungen und volle Auftragsbücher. „Kunden müssen sich auf längere Wartezeiten und höhere Verkaufspreise einstellen“, kommentierte Hauptgeschäftsführer Peter-Ulrich Kromminga die aktuellen Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für Ostfriesland. Demnach sind die Unternehmen im Durchschnitt siebeneinhalb Wochen im Voraus ausgelastet.

Einer von drei Betrieben in den Gesundheitshandwerken verzeichnet gestiegene Umsätze. Auch die Ausbauhandwerke und gewerblichen Zulieferer tragen zu der guten Wirtschaftslage bei. Im Kfz-Gewerbe, den Lebensmittelhandwerken und den Handwerken für den persönlichen Bedarf bleiben die Umsätze stabil. Lediglich das Bauhandwerk verbucht aufgrund saisonaler Schwankungen Auftragsrückgänge und Umsatzeinbußen. „Besonders erfreulich: Die Betriebe investieren immer stärker in Fachkräfte, Bildung und Digitalisierung“, sagte Kromminga. Vor diesem Hintergrund appellierte er an die Politik, die Wirtschaft zu unterstützen: „Wir brauchen Investitionen in die Infrastruktur, sowohl ins Verkehrsnetz als auch in den Breitbandausbau. Auch brauchen wir Rahmenbedingungen, die unseren Betrieben Luft zum Atmen lassen, bezogen auf Steuern, auf überbordende Bürokratie und auf Sozialabgaben.“

Insgesamt legte der Geschäftsklimaindex, der die wirtschaftliche Stimmung bewertet, im Vorjahresvergleich um einen auf 54 Punkte zu. Jeder fünfte der befragten Betriebe signalisiert eine gute Geschäftslage und sogar jeder vierte blickt positiv in die Zukunft. 

Spitzenreiter in diesem Frühjahr sind die Gesundheitshandwerke und die gewerblichen Zulieferer mit jeweils 67 Indexpunkten. „Bei letzteren hat sich eine unerwartete Kehrtwende für die Branche ergeben“, erklärte Kromminga die pessimistischen Voraussagen des Vorjahres aus den Reihen der Feinwerkmechaniker, Metallbauer oder Elektromaschinenbauer. Damals hätte die VW-Krise die Branche verunsichert. Mit der steigenden Auslastung der Produktionskapazitäten des Fahrzeugherstellers zog die wirtschaftliche Lage der Handwerker jedoch wieder kräftig an. 

Zu den Profiteuren des niedrigen Zinsniveaus und den gestiegenen Reallöhnen zählen die Ausbauhandwerke mit einem Top-Indexwert von 60 Punkten. Die Ostfriesen investieren in ihre Eigenheime. „Renovieren, sanieren und modernisieren ist trotz längerer Wartezeiten attraktiver denn je“, so Kromminga. Das lasse die Kassen der Maler und Lackierer, Elektrotechniker, Installateur- und Heizungsbauer, Tischler und Co. klingeln. 

Das Bauhauptgewerbe hat hingegen einen saisonalen Dämpfer mit 42 Indexpunkten (Vorjahr 54 Punkte) hinnehmen müssen. Dies sei auf die schlechte Wetterlage zurückzuführen, interpretierte der Hauptgeschäftsführer. Die Zukunftsaussichten sind rosiger. Die Baubranche erwartet eine Steigerung des Auftragsbestandes aufgrund des anhaltenden günstigen Geldes am Kreditmarkt. 

Die Stimmung in den Lebensmittelhandwerken ist mit 50 Indexpunkten (Vorjahr 50 Punkte) stabil. Rund 60 Prozent der Bäcker, Konditoren und Fleischer konnten sogar notwendige Preissteigerungen durchsetzen. Sie profitieren vom anhaltenden Trend zum Kauf von regionalen Produkten und zur gesundheitsbewussten Ernährung vor allem auch im Preiswettbewerb mit Discountern. 

Eine gedämpfte Konjunkturlage verzeichnet das Dienstleistungshandwerk mit 44 Indexpunkten. Zurückgegangene Auftragsbestände fordern bei den Friseuren und Kosmetikern, Schuh- und Uhrmachern sowie Fotografen und Textilreinigern ihren Tribut. Jedoch konnten mehr Beschäftigte eingestellt und die erhöhten Rohstoffkosten an die Verbraucher weitergegeben werden.

Im Kfz-Handwerk machen sich die Folgen der Diesel-Krise bemerkbar. Die Rückgänge im Flottengeschäft und bei den Eigenzulassungen schlagen sich im Wirtschaftsbarometer mit 40 Indexpunkten nieder. Dies sind zehn Punkte weniger als im Vorjahr. Die Werkstätten blicken dennoch auf eine saisonübliche und damit befriedigende Geschäftslage.

Nähere Informationen zum Konjunkturbarometer unter www.hwk-aurich.de

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