In vielen Gewerken wie dem Elektrohandewrk wird der Nachwuchs händeringend gesucht. ©amh-online.de

Ausbildungszahlen im Handwerk stabil

Nicht alle Lehrstellen konnten besetzt werden. Berufsorientierung ist der Schlüssel zum Fachkräftegewinn.

Ostfriesland. Die Handwerkskammer für Ostfriesland hat bis Ende Oktober 2018 insgesamt 1183 neue Ausbildungsverhältnisse mit einem leichten Minus von 77 Ausbildungsverträgen bzw. sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert. Die Lehrlingsrolle verzeichnete Ende Oktober im letzten Jahr 1260 Neueintragungen. Unter den Lehrlingen befinden sich insgesamt 73 Geflüchtete. Die meisten davon stammen aus Syrien (19), Afghanistan (17), Eritrea (8) und von der Elfenbeinküste (7). Insgesamt absolvieren aktuell rund 2.801 junge Menschen in allen vier Lehrjahren eine berufliche Ausbildung. Rund ein Viertel der Lehrlinge sind weiblich.

„Diese Zahlen spiegeln den demografischen Wandel und den anhaltenden Trend zu Abitur und Studium wider. Trotzdem halten sich die Eintragungen noch die Waage“, bewertete Jörg Frerichs, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, die aktuelle Lage. 

In den ausbildungsstarken Gewerken zeichnet sich ein leichter Abwärtstrend ab. Ein Lichtblick ist das Maurerhandwerk, welches mit 104 Ausbildungsverträgen 23 Lehrlinge mehr eingestellt hat (Vorjahr 81). Das Kfz-Handwerk kann mit 176 Lehrlingen seine Ausbildungsleistung halten (Vorjahr 178). Ebenso wie die Friseure mit 73 Verträgen (Vorjahr 72). Die Tischler gewinnen mit 76 Stellen 7 Lehrstellen hinzu (Vorjahr 69). Die Maler und Lackierer verzeichnen ein kleines Plus von 4 Stellen mit 67 Ausbildungsverhältnissen (Vorjahr 63). Die Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik verlieren mit 105 Verträgen 7 Stellen (Vorjahr 112). Die Elektriker verzeichnen mit einem Minus von 30 Stellen den größten Einbruch. 79 Elektriker-Azubis wurden eingestellt (Vorjahr 109). Die Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk, Schwerpunkt Bäckerei, fallen um 8 Stellen auf 73 Auszubildende (Vorjahr 81). 

„Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist hoch. Trotzdem benötigen sie noch deutlich mehr Nachwuchs, um die Nachfrage bedienen zu können“, erklärte Frerichs weiter. Der Fachkräfte-Engpass sei das Konjunktur-Thema Nummer Eins. Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, sei es wichtig, die Weichen frühzeitig zu stellen. Das beginne etwa mit der frühkindlichen Bildung, setze sich im allgemeinbildenden Schulbereich fort und sei entscheidend beim Übergang in den Beruf. Vor diesem Hintergrund begrüßte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer den Erlass zur Beruflichen Orientierung des niedersächsischen Kultusministeriums, der eine intensive Berufserkundung in allen Schulformen, auch an Gymnasien, vorsieht. „Den Kindern und Jugendlichen muss ein Einblick in die Arbeitswelt ermöglicht werden, zum Beispiel durch Praktika, Schnupperkurse, experimentieren oder praktische Tätigkeiten“, sagte Frerichs. Dadurch könnten Abbrüche und Wechsel in Ausbildung oder Studium vermieden werden. 

„Das Handwerk ist und bleibt mit mehr als 65 Ausbildungsberufen in Ostfriesland und zahlreichen Qualifizierungsmöglichkeiten ein attraktiver Arbeitgeber“, warb Frerichs für den Wirtschaftszweig. Gesellen könnten die Meisterqualifikation anstreben und sich selbstständig machen. Hier ist insbesondere die Meisteranerkennungsprämie in Höhe von 4000 Euro zu nennen, die gezielte Anreize setzt, eine Karriere im Handwerk zu starten. „Die Fachkräfteproblematik wird sich nicht lösen, wenn junge Menschen ausschließlich in Richtung Abitur und Studium geschickt werden“, resümierte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer.

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