Freuen sich über den gemeinsamen Austausch: (von links) Albert Lienemann, Siemtje Möller und Peter-Ulrich Kromminga. ©HWK

Berufliche Bildung ist keine Einbahnstraße

Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller besuchte die Handwerkskammer für Ostfriesland und tauschte sich mit Präsident und Hauptgeschäftsführer über Nachwuchssicherung aus.

Ostfriesland. Siemtje Möller, Bundestagsabgeordnete Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund und gebürtige Emderin, besuchte die Handwerkskammer für Ostfriesland und informierte sich in einem Gespräch mit Präsident Albert Lienemann und Hauptgeschäftsführer Peter-Ulrich Kromminga über die aktuelle Lage des regionalen Handwerks.

Ein Thema, das die Kammerspitze und die Sozialdemokratin bei ihrem gemeinsamen Termin in den Fokus nahmen, war die Nachwuchssicherung. Das ostfriesische Handwerk sei zurzeit gut aufgestellt. Damit dies auch in Zukunft so bleibe, müssten die Fachkräfte von morgen ausgebildet werden. Im vergangenen Jahr seien die Ausbildungszahlen für das ostfriesische Handwerk zwar leicht gestiegen, so Lienemann, aber man sehe in anderen Teilen des Landes bereits, dass weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen würden als zuvor. In Zeiten, in denen es immer mehr Jugendliche ans Gymnasium und anschließend an die Hochschulen ziehe, habe die Berufsausbildung im Land einen schweren Stand. Die Gesprächspartner waren sich einig, dass es für die langfristige Nachwuchssicherung ein Umdenken in den Köpfen der Menschen, besonders bei den Eltern der Jugendlichen, geben müsse. „Es muss allen klar werden, dass berufliche Bildung keine Einbahnstraße ist“, sagte Kromminga. Sowohl das Abitur (Berufsabitur) als auch einen Studienabschluss oder eine einem Studienabschluss gleichgestellte Qualifizierung könnten auch über den Weg der beruflichen Bildung erworben werden. Vielen Menschen sei das jedoch nicht klar. Hier müsse man vermehrt aufklären und der Bevölkerung die Gleichwertigkeit von Bildungsabschlüssen nahe bringen.
Insbesondere Eltern müsse verdeutlicht werden, dass ihren Kindern keine Nachteile im Hinblick auf eine gesicherte Zukunft entstünden, wenn sie nicht das Abitur machten und sofort danach studieren gingen. „Jeder sollte einen Weg gehen, der seinen Begabungen entspricht. Wir müssen wieder hin zu einer stärkeren Anerkennung der handwerklichen Berufe. Ein Meisterbrief ist nicht weniger Wert als ein Studienabschluss“, betonte Siemtje Möller. Nicht jeder sei für Abitur und Studium geschaffen, die Menschen müssten einfach nur erkennen, dass das kein Makel sei, so die Politikerin. Die Kammerspitze stimmte ihr zu. „Wer mit der Praxis mehr anfangen kann als mit der Theorie, ist in der Berufsausbildung genau richtig“, sagte Lienemann. Mit Kreativität und Fleiß stünden im Handwerk alle Wege offen.

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