Schaut zurück auf das Autojahr 2018: Obermeister Lothar Freese. ©Kreishandwerkerschaft Aurich-Emden-Norden

Diesel-Diskussion verunsichert Autofahrer

Obermeister Lothar Freese zieht Bilanz und gibt einen Ausblick auf das kommende Jahr.

Ostfriesland. „In Ostfriesland gibt es bisher keine Fahrverbotszonen für Diesel-Fahrzeuge, aber die Verbraucher sind dennoch verunsichert. Durch die Diskussion über Fahrverbote in Oldenburg rückt das Problem räumlich näher. Die Autofahrer fragen sich, ob es auch in Städten wie Leer oder Aurich zu Verboten kommen könnte“, berichtete Lothar Freese, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeughandwerks für Ostfriesland, wie die Diesel-Diskussion sich auf Ostfriesland auswirkt.

Zusätzlich zur Diesel-Diskussion hat im August der neue WLTP-Standard für die Abgasmessung für Chaos gesorgt. Die Abkürzung steht für „Worldwide harmonized Light-duty Test Procedure“. Dabei handelt es sich um ein erneuertes Prüfverfahren, um den Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen zu ermitteln. Seit dem 1. September müssen für alle neu zugelassenen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge die nach dem WLTP-Verfahren gemessenen Abgas- und Verbrauchswerte vorliegen. Für viele tausend Bestandsfahrzeuge bei den Herstellern und Händlern habe das aber nicht zugetroffen, so Freese. Um sie überhaupt noch verkaufen zu können, mussten die Autos bis Ende August zugelassen werden. Das führte bei vielen Modellen zu einem Überangebot und setzte die Preise unter Druck. „Darüber hinaus haben teilweise stark nachgefragte Fahrzeuge aufgrund fehlender Zulassung zurzeit extrem lange Lieferzeiten“, so Obermeister Lothar Freese. All das führe zu einer Situation, die es in der Branche in dieser Ausprägung bisher nicht gegeben habe.

„Um die Lage für Halter von Euro 5-Dieselfahrzeugen nachhaltig zu verbessern setzen wir uns für die Hardware-Nachrüstung ein“, sagte Freese und weiter: „Die dafür notwendige Verordnung vom Bundesministerium muss jetzt zügig kommen. Das ist gut für die Umwelt und trägt zum Werterhalt älterer Diesel-Fahrzeuge bei.“

Das kommende Auto-Jahr sieht Freese durchaus zwiespältig. Beim Verkauf von Neuwagen werde es nach Einschätzung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) eine kleine Delle in der Wachstumskurve geben. „Wir rechnen mit rund 3,43 Millionen Neuzulassungen, wobei vor allem der Privatmarkt Federn lassen wird“, sagte der Obermeister. Auch der Handel mit Gebrauchtwagen werde unter dem Diesel-Dilemma leiden. Einzig für das Reparatur- und Servicegeschäft seien die Aussichten nach Meinung des Fachmanns auch für 2019 stabil.

Nach wie vor ist für junge Menschen ein Ausbildungsplatz im Kfz-Gewerbe hoch attraktiv. Das zeigt sich auch in der Kfz-Innung für Ostfriesland.  „Zum neuen Ausbildungsjahr haben rund 180 junge Männer und Frauen ihre technische oder kaufmännische Ausbildung in den hiesigen Autohäusern und Werkstätten begonnen“, erklärte Freese und weiter: „Auch in Zeiten von Fahrverbotszonen und Diskussionen um den Diesel hat das Automobil offenbar nichts von seiner Faszination verloren.“ In Ostfriesland bilden die rund 265 Kfz-Betriebe rund 530 junge Menschen aus.

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