©HWK

Das ostfriesische Handwerk boomt

Der Frühjahrskonjunkturbericht zeigt, wie gut es dem Handwerk in Ostfriesland geht. Die Auftragsbücher sind weit im Voraus gefüllt. Die Schattenseite des Erfolgs sind lange Wartezeiten.

Ostfriesland. Jede Medaille hat zwei Seiten. Dieses Sprichwort spiegelt den Frühjahrskonjunkturbericht des ostfriesischen Handwerks wider, denn die Handwerker können sich glücklich schätzen. „Die Auftragsbücher sind so voll wie schon seit Jahren nicht mehr“, sagte Peter Ulrich-Kromminga, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostfriesland. Die Kehrseite der Medaille ist eine lange Wartezeit für den Kunden, denn der muss sich gedulden, bis Termine frei werden. Handwerksbetriebe aus dem Baugewerbe sind 18 Wochen im Voraus ausgebucht. Durchschnittlich sind die ostfriesischen Betriebe neun Wochen ausgelastet.

Das Geschäftsklima bleibt auf hohem Niveau. Der Indexwert erreicht mit 144 Punkten ein Allzeithoch. Insgesamt meldeten 60 Prozent aller Befragten quer durch alle Gewerke eine gute Geschäftslage. Im letzten Jahr waren es nur acht Prozent. Die Betriebe sind optimistisch gestimmt: 94 Prozent gehen für das nächste Quartal von einer guten oder befriedigenden Geschäftslage aus. Einige Unterschiede gibt es in den Gewerken. So ist das Lebensmittelhandwerk in diesem Frühjahr mit 173 Indexpunkten (Vorjahr: 120) Spitzenreiter. 

Die gewerblichen Zulieferer testierten weiterhin hochklassige Indexwerte mit einem Geschäftsklimaindex von 148 Punkten. Insgesamt 60 Prozent meldeten eine bessere Geschäftslage und sogar 40 Prozent konnten ein Umsatzplus verzeichnen. Weiterhin schätzen rund 73 Prozent der Betriebe, dass der starke Preiswettbewerb für Stahl und Metalle anhalten wird. Der Personalbestand war im letzten Quartal solide. In den kommenden Monaten erwartet jeder zweite Betrieb eine erhöhte Anzahl an Aufträgen. Deshalb rechnen im Saldo 13 Prozent der Betriebe damit, dass das Personal aufgestockt werden muss. 

Das Bauhandwerk sowie die Ausbaugewerke erreichten trotz saisonbedingter Winterpause einen starken Geschäftsklimaindex von jeweils 145 Punkten (Vorjahr: Bauhandwerk 87; Ausbaugewerbe 120). In beiden Gewerken meldeten drei Viertel der Betriebe gestiegene Einkaufspreise, bei denen nur rund 36 Prozent prognostizieren, diese an den Kunden weitergeben zu können. Jeder fünfte Betrieb war über 100 Prozent ausgelastet; die durchschnittliche Betriebsauslastung lag bei 90 Prozent. Sie ist auf den derzeitigen Bauboom zurückzuführen. Die Betriebe benötigen Personal, um die Aufträge schneller abzuarbeiten, trotzdem rechnen nur 10 Prozent im Saldo mit einem Beschäftigungszuwachs. Es fehlen Fachkräfte.

Überraschend legte in dieser Frühjahrskonjunkturumfrage das Kfz-Gewerbe um ganze 29 Indexpunkte auf 127 zu. In jedem vierten Kfz-Betrieb konnten höhere Verkaufspreise erzielt und höhere Umsätze als im Vorjahr generiert werden. 39 Prozent im Saldo sind weiterhin positiv gestimmt und erwarten eine gute Geschäftslage mit steigenden Auftragsbeständen im nächsten Quartal. Rund 70 Prozent der Befragten erhöhten im Vorquartal die Investitionstätigkeit; 54 Prozent werden das Investitionsvolumen in den kommenden Monaten steigern. Der Personalbestand konnte in jedem vierten Betrieb erhöht werden; kaum ein Betrieb wird weiteres Personal einstellen, denn offene Stellen sind im Kfz-Handwerk nicht verfügbar. 

Ein Geschäftsklimaindex von 125 Punkten wiesen die Handwerke für den persönlichen Bedarf (Vorjahr: 110) und die Gesundheitshandwerke (Vorjahr: 133) auf. Mit einer gleichbleibenden Geschäftslage wurde die Stimmung der Friseure, Kosmetiker und Fotografen mit 29 Prozent im Saldo durch Umsatzrückgänge getrübt. Dies zeichnete sich auch durch Auftragsrückgänge ab, die insgesamt von 43 Prozent der Befragten gemeldet wurden. Per Saldo sieben Prozent der Betriebe haben Personal abgebaut. Trotzdem wird optimistisch in die Zukunft geblickt. 64 Prozent der befragten Betriebe erwarten eine bessere Geschäftslage und fast jeder Dritte rechnet mit einem höheren Auftragsbestand und höheren Verkaufspreisen. 

Die Umsatzentwicklung der Gewerke verhielt sich dynamisch. Es überwiegt die Zahl der Betriebe mit wachsenden Umsätzen. Spitzenreiter sind die Lebensmittelhandwerke, bei denen jeder vierte Betrieb ein Umsatzplus erzielte, dicht gefolgt vom Kfz-Handwerk mit 23 Prozent. Bei den Gesundheitshandwerken, gewerblichen Zulieferern und dem Ausbaugewerbe konnten rund 15 Prozent im Saldo ihre Umsätze steigern. Im Bauhandwerk wurden stabile Umsätze gemeldet. Lediglich bei den Handwerken für den persönlichen Bedarf mussten insgesamt 29 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge hinnehmen. Auch für das nächste Quartal ist die Prognose positiv. Rund die Hälfte der befragten Betriebe rechnet mit einem Umsatzplus. Jeder dritte Betrieb plant eine Preiserhöhung.

Das Investitionsvolumen wurde branchenübergreifend im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Per Saldo investierten im Berichtsquartal 18 Prozent der Betriebe; die Investitionstätigkeit wird vor allem im Bereich der Digitalisierung, für Modernisierungsmaßnahmen in der Werkstatt und im Büro sowie für die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern erhöht. Im Lebensmittelhandwerk sowie Kfz-Handwerk gab es keinen Betrieb, der keine Investitionen getätigt hat; mindestens jeder dritte Betrieb hat sogar tiefer in die Tasche gegriffen. 

Der Saldo aus Beschäftigungszuwachs und –abbau zeigte sich im Gesamthandwerk mit plus sechs Prozent im positiven Bereich. Es haben mehr Betriebe die Zahl der Beschäftigten erhöht
(17 Prozent) als reduziert (11 Prozent). Bis auf die Handwerke für den persönlichen Bedarf haben alle Gewerke Personal eingestellt, insbesondere das Kfz-Handwerk. Für die Beschäftigungslage wird für die kommenden Monate eine stabile konjunkturelle Lage erwartet. Rund 57 Prozent aller befragten Betriebe meldeten keine offenen Stellen.

An der Frühjahrsumfrage 2018 haben sich 181 Handwerksbetriebe aus dem gesamten Kammerbezirk beteiligt. Die Umfrage wird online durchgeführt. Wer sich an zukünftigen Befragungen beteiligen möchte, kann sich an Karina Schröder wenden: E-Mail k.schroeder@hwk-aurich.de, Telefon 04941 1797-25.

Mehr Information unter: www.hwk-aurich.de.

Zeichen 5.914