Ein gepflegtes Äußeres und der bewusstere Umgang mit der Gesundheit bringt den Gesundheitshandwerken volle Auftragsbücher.©amh-online.de

Handwerk läuft wie geschmiert

Mit vollen Auftragsbüchern, gestiegenen Preisen und rosigen Erwartungen zieht die Handwerkskonjunktur in die kalte Jahreszeit.

Ostfriesland. Es wird geschnitten, gebacken und gebohrt, was das Zeug hält. Die Auftragsbücher der regionalen Handwerker sind prall gefüllt und die Umsätze gestiegen – nur an der Besetzung der freien Stellen wird geknabbert. Das kann teils zu Frust führen, wenn die Kunden lange auf ihre Angebote warten müssen, schreibt die Handwerkskammer für Ostfriesland anlässlich ihrer aktuellen Herbstkonjunkturdaten. 

„Handwerker sind derzeit gefragt wie nie“, kommentierte Hauptgeschäftsführer Peter-Ulrich Kromminga die Umfrage, an der 236 Unternehmen teilgenommen haben. Jeder vierte Betrieb hat zusätzlich Personal eingestellt. Ein Drittel der Betriebe plant, weitere Arbeitsplätze zu schaffen. „Arbeitskräfte fehlen vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe sowie in den Lebensmittelhandwerken“, beschrieb Kromminga den einzigen Wermutstropfen in einer sehr guten Wirtschaftslage. 

Gute Wirtschaftslage auch fürs nächste Jahr erwartet

Mit einer Auslastung von 85 Prozent laufe das Handwerk wie geschmiert. „Da bleibt kaum Zeit für neue Aufträge“, so Kromminga weiter. Der Geschäftsklimaindex weist mit 139 Punkten einen Top-Wert aus. Die aktuelle Geschäftslage bewerten zwei Drittel der Befragten als gut. Mehr als 60 Prozent der Handwerker rechnen mit einer gleichbleibenden Konjunktur. Ein Drittel der Betriebe erwartet erneut ein Auftragsplus mit steigenden Umsätzen.

Die beste Branchenkonjunktur verzeichnen die Gesundheitshandwerke mit 168 Indexpunkten. 75 Prozent der Augenoptiker, Zahntechniker und Orthopädieschuhtechniker berichten von einer guten Auftragslage mit höheren Umsätzen. Laut Kromminga ist dies auf das gute Konsumklima und den bewussteren Umgang mit der Gesundheit zurückzuführen.

Branche profitiert von der regen Bautätigkeit

Die Ausbauhandwerke melden durchweg positive Ergebnisse, was als Folge des Baubooms bewertet werden könne, so Kromminga. Sie erreichen dabei einen Indexwert von 147 Punkten. Die Stimmung ist für zwei Drittel der Betriebe besser als im Vorquartal. 

Eine Überraschung gibt es bei den Handwerken für den persönlichen Bedarf: Mit 143 Indexpunkten liegen die Dienstleistungsbetriebe auf Platz drei im Ranking. War die Stimmung im letzten Jahr noch getrübt, haben sich Friseure, Kosmetiker, Schneider und Fotografen mittlerweile konjunkturell wieder erholt. Jeder dritte Betrieb verzeichnet ein Umsatzplus. „Die Friseure sprechen von einer Sehnsucht nach Schönheit“, sagte der Hauptgeschäftsführer. Für die Karriere im Beruf und in ganz alltäglichen Situationen werde das Erscheinungsbild immer wichtiger.

Baubranche voll ausgelastet

Ein gutes Mittelmaß verzeichnet das Bauhauptgewerbe mit 130 Indexpunkten. Bei gleichbleibender Beschäftigung erzielte jeder vierte Betrieb Mehreinnahmen. Über 75 Prozent der Betriebe mussten jedoch tiefer für Materialien und Werkstoffe in die Tasche greifen. Die Baubetriebe waren im Durchschnitt über 90 Prozent ausgelastet. Es fehlte jedoch an Personal, um noch mehr Aufträge annehmen zu können.

Gesunde Lebensweise konkurriert mit Zeitdruck

Das Lebensmittelhandwerk weist mit einer getrübten Stimmung einen Index von 123 Punkten aus. Die Hälfte der Bäcker, Fleischer und Konditoren hatte gegenüber dem Vorjahr mehr zu tun. Trotzdem stagnierten die Umsätze, was auf höhere Einkaufs- und gleichbleibende Verkaufspreise zurückzuführen ist. „Trotz Ernährung als Lifestyle-Thema haben viele Menschen heute weniger Zeit zum Einkaufen. Statt zum Bäcker gehen sie lieber gleich in den Supermarkt“, erklärte Kromminga den härteren Wettbewerb.

Die gewerblichen Zulieferer verzeichnen 122 Indexpunkte. Rund jeder zweite Betrieb berichtet von einer unveränderten Geschäftslage. Dreiviertel der Betriebe mussten mit gestiegenen Beschaffungskosten kalkulieren, die nach Einschätzung der Betriebe auch für das nächste Quartal weiter anziehen werden.

Diesel-Diskussion beeinflusst Kfz-Konjunktur

Das Schlusslicht bildet das Kfz-Handwerk mit 118 Punkten. Das Kundeninteresse war nur mäßig und die Nachfrage ging zurück, was Umsatzeinbußen zur Folge hatte. Dies könne auch auf die möglichen Diskussionen um die Fahrverbote für Dieselfahrzeuge und dem damit einhergehenden Einbruch der PKW-Verkäufe zurückzuführen sein, resümierte der Hauptgeschäftsführer.

Nähere Informationen zur Konjunktur unter www.hwk-aurich.de.

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