Positive Stimmung im Ausbaugewerbe: Unter anderem mit vielen Wartungs- und Reparaturarbeiten konnte das SHK-Handwerk seine Geschäftslage im Vergleich zu anderen Handwerksgruppen ausbauen.
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Handwerk blickt vorsichtig nach vorn

Die aktuelle Geschäftslage im ostfriesischen Handwerk bleibt stabil. Schwächere Auftragserwartungen, hohe Kosten und große Unterschiede zwischen den Gewerken prägen das Konjunkturbild im Herbst.

13. Oktober 2026

Ostfriesland. Die Wirtschaftslage des ostfriesischen Handwerks zeigt sich im Herbst insgesamt gefestigt. Allerdings hat der Aufwärtstrend einen leichten Dämpfer erhalten. Der Geschäftsklimaindex liegt laut Herbstumfrage der Handwerkskammer für Ostfriesland bei 106 Punkten weiterhin im positiven Bereich über der neutralen 100-Punkte-Marke, fällt aber um vier Punkte niedriger aus als vor einem Jahr. „Von einem stabilen Wirtschaftsaufschwung sind wir noch weit entfernt. Viele Betriebe kommen mit ihrer gegenwärtigen Geschäftstätigkeit noch gut zurecht. Beim Blick auf die kommenden Monate überwiegt jedoch die Vorsicht“, kommentierte Hauptgeschäftsführer Jörg Frerichs das Klimabarometer. An der Umfrage haben 254 Betriebe aus dem Kammerbezirk teilgenommen.

Demnach rechnen die Unternehmen eher mit einer gleichbleibenden oder schwächeren Entwicklung als mit einer spürbaren Belebung. Besonders zurückhaltend fallen die Einschätzungen zur Auftragslage aus. Auch bei Beschäftigung und Investitionen zeichnet sich kurzfristig keine deutliche Ausweitung ab. Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt der Kostendruck. Als mögliche Preistreiber kommen neben branchenspezifischen Material- und Warenkosten insbesondere Energie-, Kraftstoff- und Transportkosten sowie höhere Preise entlang der Lieferketten infrage. „In fast allen Gewerken berichten Betriebe von höheren Einkaufspreisen. Viele rechnen mit weiteren Steigerungen. Zwar passen zahlreiche Unternehmen auch ihre Verkaufspreise an, doch nicht überall gelingt es, die gestiegenen Kosten zeitnah weiterzugeben“, bewertete Frerichs weiter das Zahlenwerk. Die Folge seien für die Betriebe schwierigere Kalkulationen und eine geringere Bereitschaft für Investitionen.

Die Branchen entwickeln sich unterschiedlich

Mit Blick auf die einzelnen Handwerksgruppen zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Nicht alle Gewerke erreichen positive Klimaindex-Werte. Besonders herausfordernd ist die Lage im Bauhauptgewerbe (91, minus 17 Punkte) und im Kfz-Gewerbe (91, minus 19 Punkte). „Im Bau treffen eine noch tragfähige Geschäftstätigkeit und deutlich skeptischere Erwartungen aufeinander. Vor allem die Betriebe, die auf neue Bauaufträge und größere Investitionen angewiesen sind, rechnen mit Gegenwind“, sagte der HWK-Hauptgeschäftsführer. Im Kfz-Gewerbe sei die aktuelle Lage ebenfalls besser als die Stimmung vermuten ließe: „Viele Betriebe sind derzeit noch beschäftigt, sorgen sich aber um die weitere Entwicklung von Umsatz und Aufträgen.“ Hohe Kosten, eine zurückhaltende Kaufbereitschaft und der Wandel hin zu neuen Antriebstechnologien erhöhten den Druck auf die Kfz-Werkstätten.

Gesundheitshandwerke profitieren vom demografischen Wandel

Zu den Spitzenreitern des Konjunkturbarometers zählen die Gesundheitshandwerke (132, 0 Punkte). Der demografische Wandel und die alternde Gesellschaft sind einer der stärksten Wachstumsmotoren für die Hörakustiker, Augenoptiker, Orthopädietechniker, Zahntechniker und Orthopädieschuhmacher. Sie schätzen die aktuelle Nachfrage nach Dienstleistungen sehr positiv ein. Durch die steigende Lebenserwartung und den wachsenden Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung nimmt der Bedarf an medizinischen Hilfsmitteln, präventiven Maßnahmen und individuellen Gesundheitsdienstleistungen massiv zu. Gleichzeitig melden auch diese Betriebe spürbare Kostensteigerungen. Zudem erwarten einzelne Bereiche durch veränderte politische Rahmenbedingungen drastische wirtschaftliche Einschnitte, bürokratischen Mehraufwand und eine massive Bedrohung der individuellen Patientenversorgung.

Wirtschaftslage im Ausbaugewerbe verbessert sich leicht 

Das Ausbaugewerbe (122, plus 3 Punkte) konnte im Vergleich zu den anderen Gruppen eine leichte Verbesserung der Wirtschaftslage um drei Indexpunkte verbuchen. Innerhalb der Gewerke stellt sich die Lage unterschiedlich dar: Tischler-, Fliesenleger- und Malerbetriebe sind besonders von der Entwicklung im Wohnungsbau und bei Renovierungen abhängig. Das SHK- und das Elektrohandwerk bieten Wartungen und Modernisierungen im Gebäudebestand zwar zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten, doch Investitionszurückhaltung und Unsicherheit bremsen größere Vorhaben. „Insgesamt zeichnet sich in dieser Gruppe eine vorsichtige wirtschaftliche Seitwärtsbewegung statt eines raschen Aufschwungs ab“, sagte Frerichs.

Das Handwerk für den gewerblichen Bedarf bewertet seine aktuelle Geschäftslage als stabil. Für die kommenden Monate sehen die Unternehmen die Entwicklung von Umsätzen, Aufträgen und Investitionen pessimistisch.
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Wirtschaftslage der gewerblichen Zulieferer stabil, aber wenig dynamisch

Die personenbezogenen Dienstleistungen (121, minus 1 Punkt) verzeichnen ebenfalls eine sehr positive Konjunktur. Bei den Friseuren, Fotografen, Kosmetikern, Textilreinigern, Schuhmachern, Uhrmachern und Maßschneidern steht einer positiven Grundstimmung allerdings eine aktuell schwache Auftrags- und Umsatzentwicklung gegenüber. Die Kaufkraftschwäche der Verbraucher schlägt sich hier nieder. „Der private Konsum ist derzeit deutlich verhaltener. Die Sparneigung ist gestiegen. Das kann besonders die dienstleistungsnahen Handwerke treffen, wenn Haushalte seltener buchen, weniger Zusatzleistungen wählen oder stärker auf die Preise achten“, erläuterte Frerichs. Die Erwartungen der Betriebe deuteten dennoch auf eine mögliche Stabilisierung hin.

Im Handwerk für den gewerblichen Bedarf (100, minus 1 Punkt) spricht die aktuelle Lage eher für eine stabile, aber wenig dynamische Phase. Service, Wartung und Reparaturen dürften vielen Feinwerkmechanikern, Land- und Baumaschinenmechatronikern, Metallbauern, Schilder- und Lichtreklameherstellern sowie Gebäudereinigern Halt geben. Bei größeren, investitionsabhängigen Aufträgen ist wegen der verhaltenen Erwartungen vorerst mehr Vorsicht angebracht.

Im Nahrungsmittelgewerbe (109, minus 11 Punkte) bleibt die aktuelle Geschäftslage zwar überwiegend solide, doch schwächere Umsatzmeldungen und vorsichtige Beschäftigungserwartungen trüben den Ausblick. Bundesweite Daten zeigen insbesondere bei Brot rückläufige Einkaufsmengen, während sich beim Fleischkonsum ein anderes Bild zeigt. Das Kaufverhalten hat sich geändert: weniger oder anders zusammengesetzte Einkäufe, stärkere Preisorientierung, Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter sowie unterschiedliche Kundengruppen stellen die Betriebe vor Herausforderungen.

Warten auf überfällige Reformen

„Wie sich die Lage im ostfriesischen Handwerk weiterentwickelt, hängt maßgeblich davon ab, ob Nachfrage und Aufträge wieder verlässlicher werden und die Betriebe ihre Kosten angemessen in den Preisen berücksichtigen können“, resümierte Hauptgeschäftsführer Jörg Frerichs. Weiter sagte er: „Anfang des Jahres waren wir optimistisch, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks stabil behauptet und sich eine Aufbruchstimmung zeigt. Leider dominieren nun wieder schlechte Nachrichten das Tagesgeschehen. Steigende Energiepreise verunsichern erneut sowohl Handwerkskunden als auch Betriebe. Außerdem wird die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen durch zu hohe Steuern, Abgaben und Lohnzusatzkosten sowie durch zu viel Bürokratie beeinträchtigt. Gerade jetzt kommt es darauf an, die wirtschaftliche Erholung durch notwendige Reformen der Regierung zu festigen. Weiteres Warten auf strukturelle Veränderungen können wir uns nicht mehr leisten“, betonte Frerichs.

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Der aktuelle Konkukturbericht der Handwerkskammer für Ostfriesland kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: 

Konjunktur Herbst 2026 HWK Ostfriesland.pdf (10,60 MB)