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Ausbildungspressekonferenz des niedersächsischen Handwerks
Niedersächsisches Handwerk mit Rückenwind erfolgreich am Ausbildungsmarkt.
30. Juli 2026
Hannover/Ostfriesland. „Das Handwerk stemmt sich gegen den demographischen Trend und verzeichnet 2026 mit einem Plus von 5 Prozent wachsende Ausbildungszahlen“, zeigt sich Eckhard Stein, vorsitzender Präsident der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachen (LHN) im Rahmen der Pressekonferenz zum Ausbildungsstart in Hannover sehr erfreut. „Die außerordentlich robuste wirtschaftliche Lage handwerklicher Ausbildungsbetriebe gibt ein klares Signal an die neuen Auszubildenden in den Betrieben und die noch Ausbildungssuchenden. Das zeigen über 800 Rückmeldungen aus den unterschiedlichen Handwerksbranchen.“
Rückenwind am Ausbildungsmarkt
Knapp 90 Prozent aller Ausbildungsbetriebe haben eine gute oder befriedigende Geschäftslage gemeldet und halten das konjunkturelle Handwerksbarometer weiter hoch. Auch für das zweite Halbjahr zeigt sich wenig Abkühlung, so der Spitzenvertreter des niedersächsischen Handwerks. „Die guten wirtschaftlichen Perspektiven spielen den Ausbildungsbetrieben des Handwerks aktuell sehr in die Hände. Aber auch die prognostizierten Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf ganze Berufszweige lässt den Wert einer handwerklichen Ausbildung bei den jungen Menschen und ihren Eltern steigen“, resümiert der Spitzenvertreter.
Steigende Ausbildungszahlen, aber keine Sorglosigkeit
Mit 64 Prozent haben fast zwei Drittel aller Ausbildungsbetriebe ihre Ausbildungsplätze vollständig besetzt. Weitere 13 Prozent erwarten, dass es ihnen noch gelingen wird, den jungen Nachwuchs für sich zu begeistern. 23 Prozent der Ausbildungsbetriebe befürchten, dass ihre Ausbildungsplätze trotz des insgesamt positiven Trends leer bleiben. Das heißt in den insgesamt 14.500 handwerklichen Ausbildungsbetrieben in Niedersachsen bleiben voraussichtlich rund 3.300 Chancen für eine qualifizierte Ausbildung ungenutzt. „Jeder unbesetzte Ausbildungsplatz ist mehr als eine betriebliche Lücke. Sie ist eine verpasste Chance für einen jungen Menschen und führt zu einer weiteren, in der Zukunft fehlenden Fachkraft. Ausbildungspolitik ist Standortpolitik, denn nicht nur weniger Gesellinnen und Gesellen, sondern in Folge auch weniger Meisterinnen und Meister und damit potenzielle Übernehmer und Übernehmerinnen von Handwerkbetrieben sind die Folge“, bedauert Stein.
Anstrengungen in den Ausbildungsbetrieben des Handwerks steigern Attraktivität der Ausbildung
Die Führungsspitzen in den Betrieben setzen mit fast 100 prozentiger Zustimmung auf drei wesentliche Punkte: „Schaffung guter, kollegialer Teamstrukturen“, „Verlässlichkeit und klare Kommunikation in der Führung“ sowie „hohe Wertschätzung und Anerkennung“. Aufgrund vergleichsweiser flacher Hierarchien können gerade kleine und mittelständische Betriebe hier punkten. Daneben spielen laut der Umfrage auch andere Faktoren eine Rolle: Faire Vergütung, Arbeitsplatzsicherheit, planbare Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, moderne Ausstattung, Entwicklungsmöglichkeiten im Betrieb und gesellschaftlich sinnstiftende Tätigkeiten als Handwerkerin oder Handwerker. Die erstgenannten Top 3 bilden aus Sicht der Betriebe jedoch die wesentliche Grundlage für die Schaffung eines guten Teams. Die Antworten auf die Frage nach den Maßnahmen, die die Betriebe allein im letzten Jahr angestoßen haben, zeigen den gezielten Veränderungsprozess sehr deutlich.
Bürokratie belastet Kapazitäten der Betriebsführung und der Mitarbeitenden
Kleine und mittlere Betriebe haben keine großen Personalabteilungen. Führung und Ausbildung findet im laufenden Betrieb statt. 20 Prozent der Betriebsinhaber oder -inhaberinnen wünschten sich einfach mehr Zeit für Führungsaufgaben. Auf die Frage an die Ausbildungsbetriebe, wo Sie aktuell den größten Handlungsbedarf bei der Führung ihres Teams sehen, wird die Entlastung von Bürokratie und dem Dokumentationsaufwand von 61 Prozent an erster Stelle genannt. Es zeigt sich: Neben den Betriebsinhaberinnen und -inhabern sind auch die Beschäftigten mit Dokumentation und Nachweisen belastet. „Wir stellen politisch eine große Offenheit für Verwaltungsvereinfachungen fest, die ersten Schritte begrüßen wir auch, aber es darf an dieser Stelle keinen Stillstand geben!“, stellt Stein klar. „Der hohe politische Handlungsbedarf für die Schaffung von mehr betrieblicher Gestaltungsfreiheit liegt auf der Hand.“
Gelingende Ausbildung braucht starke politische Unterstützung
„Noch verlieren wir zu viele jungen Menschen, weil sie aus dem System ausbrechen oder frustriert nicht den richtigen Weg finden.“ Die weiteren erforderlichen politischen Aufgaben sind aus Sicht der Betriebe eindeutig: 48 Prozent nennen bessere Berufsorientierung an Schulen, 42 Prozent wünschen mehr Praxisphasen, Werkunterricht und Betriebsbesuche, 30 Prozent setzen auf die Förderung bei der Weiterbildung und Personalentwicklung und 28 Prozent wünschen sich Unterstützung bei Nachhilfe, Lernförderung und Ausbildungsbegleitung.
Stein appelliert an die noch Ausbildungssuchenden, die Chancen im Handwerk zu nutzen. Ausbildungsinteressierte für dieses Ausbildungsjahr können sich an die Ausbildungsberatung der örtlichen Handwerkskammer wenden. Noch bis Ende des Jahres stehen die Wege ins Handwerk offen.
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Hintergrund
Die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen e.V. (LHN) nimmt als politische Vertretung die gemeinsamen Interessen der sechs niedersächsischen Mitgliedskammern auf Landesebene wahr. Mitgliedskammern sind die HWK Braun-schweig-Lüneburg-Stade, die HWK Hannover, die HWK Hildesheim-Südniedersachsen, die HWK Oldenburg, die HWK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim und die HWK für Ostfriesland. Gemeinsam vertritt die LHN 86.500 Handwerksbetriebe und ihre 530.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Niedersachsen.