KI generiert: Das Bild zeigt zwei Personen in Winterkleidung vor einem in einer Halle befindlichen Boot.

Betriebsleiter Gerjet Bültjer (r.) zeigt Vizepräsidentin Imke Hennig (l.) die Arbeiten in der Schiffshalle. Im Hintergrund der 15 Meter lange historische Segelkutter „Gebrüder“ von Carolinensiel.
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Bootsbaukunst aus Ditzum

Tradition trifft Zukunft: Die Bültjer Holzbootswerft an der Ems ist ein Magnet für junge Nachwuchskräfte. Dort werden Boote noch traditionell restauriert und instandgesetzt.

31. März 2026

Ostfriesland. Die H. Bültjer Bootswerft im Fischereidorf Ditzum ist die erste Adresse, wenn es um den traditionellen Holzbootsbau geht. „Es gibt nicht mehr viele Betriebe wie unseren, schon gar nicht in unserer Größenordnung“, erzählt Gerjet Bültjer während des Besuchs von Imke Hennig, Vizepräsidentin der Handwerkskammer für Ostfriesland. Viele Werften an der Ems hätten in den 60er Jahren geschlossen. Die nächste Konkurrenz sei in den Niederlanden, in Dänemark oder Norwegen zu finden.

Familienbetrieb setzt auf Nachwuchskräfte

Der 127 Jahre alte Familienbetrieb ist für die Reparatur und Restauration von Binnen- und Seeschiffen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Die Kunden kommen aus den Niederlanden, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Ostfriesland. Entsprechend sieht auch das Einzugsgebiet der Bewerber für Ausbildungsstellen aus. Diese wohnen in München, Köln, Hamburg oder Berlin. Jährlich werden zwei bis drei Azubis eingestellt. Insgesamt erlernen derzeit sechs Nachwuchskräfte den Beruf des Bootsbauers in der Fachrichtung Neu-, Aus- und Umbau. „Sie haben entweder eine Affinität zur Schifffahrt oder wollen mit Holz arbeiten“, erzählt der Bootsbauermeister, der die Werft gemeinsam mit seinem Cousin Andy Bültjer in fünfter Generation führt. Ein Segelschein ist jedoch kein Einstellungskriterium. „Dennoch ist es von Vorteil, wenn der Bewerber weiß, wo Bug und Heck sind“, sagt der Meister.

Regelmäßig werden Landes und Bundessieger ausgezeichnet

In den letzten 20 Jahren hat die Werft mehr als 55 junge Menschen ausgebildet. „Kürzlich hatten wir auch einen promovierten Archäologen, der noch einmal etwas Richtiges lernen wollte“, scherzt der 46-jährige Betriebsleiter. Regelmäßig wird der Werft-Nachwuchs zu Landes- oder Bundessieger in der „Deutschen Meisterschaft im Handwerk“ (DMH) ausgezeichnet. Vizepräsidentin Imke Hennig durfte dem Betrieb eine Urkunde für den kürzlich ausgelernten Bootsbauer Felix Bruckmann aus Emden überreichen. Er bestand den dritten Platz im Wettkampf auf Bundesebene an der Landesberufsschule in Lübeck-Travemünde. Nach seinem Abschluss zog es ihn weiter. Hennig lobte das Engagement des Holzbootsbau-Spezialisten, das Fachwissen an die nächste Generation weiterzugeben: „Durch die exzellente Ausbildung sichern sie nicht nur ihre eigenen Fachkräfte, sondern bewahren zugleich ein traditionelles Handwerk in einem unserer küstentypischen Gewerke.“

KI generiert: Das Bild zeigt zwei Personen, die an einem Bootsrumpf arbeiten.

Bootsbauermeister Gerjet Bültjer (Senior) zeigt, wie die Plankengänge kalfatert (abgedichtet) werden. Eine zeitaufwendige Arbeitsweise, die nicht mehr auf vielen Werften gepflegt wird. Im Hintergrund trägt Praktikant Lukas Ritter eine Unterwasserschutzfarbe auf.
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Der Beruf Bootsbauer: Selten, aber gefragt

Der Beruf ist selten, aber nicht vom Aussterben bedroht. „Gute Bootsbauer werden immer gebraucht“, weiß Gerjet Bültjer. Die dreieinhalbjährige Ausbildung umfasst den Neubau, die Reparatur, die Restaurierung sowie den Um- und Ausbau von Booten, Yachten und kleineren Schiffen. Die Azubis besuchen im Blockunterricht die Berufsschule in Brake (Unterweser). Dort werden alle Baumaterialien – hauptsächlich Holz, Kunststoffe und Metalle – behandelt, die auf den Werften aufgrund ihrer Spezialisierung meist nicht zum Berufsalltag gehören.

Holzbootsbau-Spezialist mit Aufträgen gut ausgelastet

Als Meisterbetrieb deckt Bültjer die gesamte Bandbreite des Bootsbauerhandwerks ab. Die Werft verfügt über zwei Hallen und drei Helgen, auf denen Schiffe bis zu 150 Tonnen geslippt werden können. Neben dem Holzboots- und Riggbau werden auch technische Aggregate ausgetauscht oder überholt, elektronische und elektrische Anlagen neu geplant, eingebaut sowie Konservierungs- und Lackierarbeiten ausgeführt. Ein Schwerpunkt der Werfttätigkeiten liegt auf Wartungs-, Reparatur- und Pflegearbeiten von Booten und Schiffen aller Art.

Besonders in den Wintermonaten und im Frühjahr hat das zwischen zehn bis fünfzehn Personen starke Team viel zu tun, wenn die Fischereifahrzeuge, Yachten und Sportboote wieder fit für die Saison gemacht werden. Einige Fischkutter liegen im Hafen für die Instandsetzung bereit. Aktuell wird der 15 Meter lange historische Segelkutter „Gebrüder“ aus Carolinensiel in der Halle neu beplankt. Gleich daneben ist der Traditionssegler „Klaus Störtebeker III“ für die Restaurierung aufgebockt.  

Holz als Zukunftskapital der Werft

Vom Vordersteven über die Spanten bis hin zur Beplankung der Außenhaut besteht alles aus dem nachwachsenden Naturstoff Holz: Hauptsächlich Eiche, aber auch Kambala, Mahagoni, Lärche und Teak werden traditionell handwerklich verarbeitet. Es lagert in den Hallen und auf dem Werftgelände, bis es durchgehend trocken ist. „Wir rechnen pro Zentimeter Dicke mit einem Jahr Lagerzeit", erklärt Bültjer. Es ist das Zukunftskapital der Werft: Nirgendwo sonst gibt es so viel abgelagertes, bestes Bauholz wie bei den Bültjers.

Eindrücke von den Arbeiten auf der Bootswerft.

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Die besten Bootsbauer stehen fest

Am 11. November 2025 fanden die Deutschen Meisterschaften im Bootsbauhandwerk statt. In diesem Wettbewerb treten die Landessieger verschiedener Bundesländer gegeneinander an und am Ende stehen die Bundessieger des Jahres fest.

KI generiert: Ein junger Mann arbeitet konzentriert mit einem Stechbeitel an einem Holzstück.

Felix Bruckmann aus Emden baute im Wettbewerb auf Bundesebene innerhalb von sechs Stunden eine Treppenkonstruktion für ein Kajütboot.
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31. März 2026 / Quelle: Verband Maritime Wirtschaft Deutschland e.V.

Der Prüfungsausschuss der Innung Schleswig-Holstein und die Landesberufsschule in Lübeck-Travemünde engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich für den Wettbewerb der Bootsbauer in der "Deutschen Meisterschaften im Handwerk", kurz DHM. Jedes Jahr im Herbst lädt der Deutscher Boots - und Schiffbauer-Verband e. V.  die Landessieger zum Bundeswettbewerb auf den Priwall ein. 

In einer Prüfung gilt es für die Prüflinge zunächst, Zeichnungen anzufertigen und Berechnungen durchzuführen. Dann folgt der praktische Teil. Per Hand und an den unterschiedlichsten Maschinen werden mit verschiedenen Materialien Prüfungsstücke angefertigt, die anschließend vom Prüfungsausschuss begutachtet werden. Je nach Noten kann es dann bis zu drei Bundessieger geben. 

Im Abschlussjahrgang 2025 wurde der Wettbewerb in die beiden Fachrichtungen des Bootsbaus geteilt, um den verschiedenen Gewichtungen der beiden Bereiche gerecht zu werden: Neu/Aus/Um-Bau und Yachttechnik. Da nur ein Kandidat im Bereich Yachttechnik zugesagt hatte, wurde Johannes Brand von der Agstein Classic Crafts ohne Konkurrenz 1. Bundessieger im Bereich Bootsbau/Technik.

Im Fachbereich Neu-, Aus- und Umbau traten drei Kandidaten gegeneinander an: Mona Dahm von der Bootswerft Gerhard Bicker (Ahlen), Sebastian Seiler von der Yacht- und Bootswerft Michelsen (Friedrichshafen) und Felix Bruckmann von der H. Bültjer Werft (Ditzum). Es galt in sechs Stunden einen Niedergang für ein kleines Kajütboot zu bauen. Nach der Erstellung der technischen Zeichnung ging es an die praktische Umsetzung, bei der elf Kriterien erfüllt werden mussten und bestimmte Materialien und Werkzeuge zur Verfügung standen. Mit viel Engagement und Eifer machten sich die Drei ans Werk und nach und nach wurden die Treppenkonstruktionen sichtbar. 

Sebastian Seiler erreichte die höchste Punktezahl und ist damit Bundessieger – gefolgt von Mona Dahm auf den 2. Platz und Felix Bruckmann auf den 3. Platz.

KI generiert: Drei Personen sitzen in einer Werkstatt auf hölzernen Treppenhockern.

Sebastian Seiler (Mitte) erreichte die höchste Punktezahl und ist damit Bundessieger – gefolgt von Mona Dahm (r.) auf den 2. Platz und Felix Bruckmann (l.) auf den 3. Platz.
© VMWD/C. Zamboni