
Landrat Olaf Meinen (v.l.), Fachberater für Unternehmensnachfolge Fabian Kaukereit, Best-Practice-Referent Dan Koltermann, Betriebsberaterin HWK Svea Janssen und Kammerpräsident Albert Lienemann freuten sich über eine gelungene Veranstaltung.
© HWK/J. Stöppel
Gut vorbereitet in die Nachfolge
Netzwerkpartner informierten in der Handwerkskammer über steuerliche Stolperfallen und praxiserprobte Wege einer gelungenen Unternehmensnachfolge.
12. Mai 2026
Ostfriesland. Ob aus Altersgründen, gesundheitlichen Gründen oder weil sich Lebenspläne verändern: Irgendwann steht in vielen Betrieben die Frage im Raum, wie es weitergeht. Eine Unternehmensnachfolge lässt sich jedoch selten kurzfristig regeln. Vielmehr ist sie ein Prozess, der frühzeitig vorbereitet werden sollte und bei dem fachliche Unterstützung hilft, Risiken zu vermeiden und Chancen zu nutzen. Wie das am besten gelingen kann, zeigte der diesjährige „Tag der Nachfolge“. Das Netzwerk „Unternehmensnachfolge Ostfriesland“ hatte dazu kürzlich in den Kammersaal der Handwerkskammer für Ostfriesland in Aurich eingeladen. Auf dem Programm standen ein Vortrag zu steuerlichen Fallstricken und praxisnahe Einblicke in den Nachfolgeprozess.
Damit die Übergabe nicht zur Stolperfalle wird, braucht es vor allem eines: Rechtzeitige Planung und eine klare Struktur. Einen fachlichen Schwerpunkt setzte deshalb zu Beginn der Veranstaltung der Vortrag „Steuerliche Fallstricke der Unternehmensnachfolge“ von Fabian Kaukereit, Fachberater für Unternehmensnachfolge von der „Steuerkanzlei Rüst, Kämpfert, Kaukereit“ in Aurich. Bei einer Unternehmensübergabe müssten rechtliche und steuerliche Aspekte gleichzeitig bedacht werden. Eine Nachfolge verlange eine abgestimmte Betrachtung von Erb-, Gesellschafts- und Steuerrecht, erklärte Kaukereit. „Fehlt diese Koordination, drohen unter anderem Pflichtteilskonflikte, eine Zersplitterung von Vermögen oder steuerliche Nachteile“, so der Fachberater. Als Leitfragen nannte er unter anderem: Wer soll übernehmen? Wie werden Stimmrechte, Erträge und Haftung verteilt? Und wie werden Pflichtteils-, Abfindungs- und Steuerfragen geregelt? In einer Checkliste ging Kaukereit zudem auf typische Risiken ein wie zum Beispiel die ungeplante Aufdeckung stiller Reserven.
Was diese Grundsätze in der Praxis bedeuten können und wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen und externe Beratung einzubeziehen, machte der anschließende Best-Practice-Beitrag von Dan Koltermann von der „DAKO Taxi und Mietwagen GmbH“ in Wittmund deutlich. Koltermann, der 2020 „Ottis Taxi“ aus Wittmund und 2025 „Taxi Janssen-Eilts“ aus Esens übernommen hat, schilderte seinen Weg als schrittweise aufgebaute Übergabe. „Meine Frau und ich haben uns das gut zwei Jahre überlegt und uns von meinem Vorgänger alles zeigen und erklären lassen“, so der Unternehmer. Statt einer Komplettübernahme hätten sie gezielt geprüft, „was bringt uns weiter“ und dementsprechend nur bestimmte Teile des Unternehmens, sogenannte „Assets“, erworben. Außerdem holte sich Koltermann Unterstützung – unter anderem bei seiner Bankerin und seinem Steuerberater und erstellte ganz klassisch einen Business- sowie einen Finanzierungsplan. Sein Fazit zur Betriebsübernahme fiel somit eindeutig positiv aus: „Aus heutiger Sicht würde ich nichts anders machen.“
Handwerkerinnen und Handwerker, die Beratung zum Thema Nachfolge wünschen, können sich an die Handwerkskammer wenden. Ansprechpartnerin ist Svea Janssen. Sie ist unter Telefon 04941 1797-29 oder per E-Mail an s.janssen@hwk-aurich.de erreichbar.
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Hintergrund:
Das Netzwerk Unternehmensnachfolge ist ein Zusammenschluss in Ostfriesland aus Wirtschaftsförderern der ostfriesischen Landkreise und Städte, Wirtschaftsfördergesellschaften- und kreise, Banken und Sparkassen, Kreishandwerkerschaften sowie der Kammern. Die Initiative wurde 2016 mit dem Ziel gegründet, die Kooperation der Akteure zu verbessern sowie die Informations- und Beratungsangebote der Netzwerkpartner zum Thema Unternehmensnachfolge zu koordinieren und gemeinsam nach außen zu kommunizieren.