Das Bauhauptgewerbe zählt mit einem Geschäftsklimaindex von 111 Punkten zu den diesjährigen Gewinnern der Konjunkturumfrage.
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Handwerk durchschreitet Talsohle
Konjunkturumfrage 2026: Die ostfriesischen Betriebe atmen etwas auf. Gestiegene Einkaufspreise sowie Betriebskosten sorgen jedoch weiterhin für zurückhaltende Stimmung.
23. April 2026
Ostfriesland. Es ist eine Zwischenbilanz mit zwei Seiten: Viele ostfriesische Handwerksbetriebe berichten von einer stabilen wirtschaftlichen Lage – gleichzeitig bleibt die Zuversicht für die kommenden Monate gedämpft. Das zeigt der aktuelle Frühjahrskonjunkturbericht der Handwerkskammer für Ostfriesland. Der Geschäftsklimaindex (GKI) erreicht 114 Punkte (Vorjahr: 113 Punkte) und liegt damit erneut über der neutralen 100‑Punkte‑Marke. Ein Wert, der die Schwelle zwischen positivem und negativem Geschäftsklima markiert. Damit setzt sich eine Stabilisierung fort, die nach dem deutlichen Einschnitt infolge der Belastungen durch die Haushaltskrise Ende 2023 sowie internationaler Konflikte wieder vorsichtig an Fahrt gewonnen hat.
Das spiegelt sich auch in der Geschäftslage wider: 84 Prozent der Betriebe melden eine gute oder befriedigende Situation, 16 Prozent stufen sie als schlechter ein. Der Saldo liegt bei 26 Punkten. Beim Ausblick auf den weiteren Verlauf des Jahres zeigt sich hingegen deutlich mehr Zurückhaltung. Zwar rechnet knapp jeder vierte Betrieb mit einer Verbesserung, doch dem gegenüber stehen 20 Prozent, die eine Verschlechterung erwarten. Die Mehrheit von 56 Prozent geht von einer gleichbleibenden Entwicklung aus. Der Erwartungssaldo beträgt damit lediglich 4 Punkte. „Die Diskrepanzen zwischen der momentanen Lage und den zukünftigen Erwartungen machen deutlich, dass das Handwerk trotz stabiler Geschäftstätigkeit vorsichtig agiert. Verlässliche wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen bleiben daher entscheidend, um die positive Grundtendenz der Betriebe zu festigen und bestehende Unsicherheiten abzubauen“, kommentiert Jörg Frerichs, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostfriesland, das Zahlenwerk.
In der Branchenbetrachtung zeigt sich ebenfalls ein insgesamt robustes Bild: Alle Handwerksgruppen liegen beim Geschäftsklima oberhalb der 100‑Punkte‑Marke. Besonders stark präsentieren sich erneut die Gesundheitshandwerke mit 126 Punkten (Vorjahr: 136 Punkte). Sie sind damit auch in diesem Jahr der Spitzenreiter unter den Branchen. Ebenfalls auf hohem Niveau liegen die Dienstleistungshandwerke mit 116 Punkten, allerdings verzeichnen sie gegenüber dem Vorjahr den größten Rückgang (‑19 Punkte). Deutliche Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichnen mit 111 Punkten auch das Bauhauptgewerbe (Vorjahr: 103 Punkte) und mit 116 Punkten die Ausbaugewerke (Vorjahr: 111 Punkte).
Trotz der stabileren Grundstimmung wird die Dynamik der zentralen Konjunkturindikatoren ausgebremst. In Bezug auf die Auftragslage berichten 36 Prozent der Betriebe von Rückgängen, während 22 Prozent Zuwächse melden. 42 Prozent sehen ein gleichbleibendes Niveau. Der Saldo liegt demnach bei -14 Punkten. Auch die Umsatzentwicklung bleibt angespannt: 19 Prozent melden steigende Umsätze, 38 Prozent Rückgänge. Der Umsatzsaldo beträgt -19 Punkte. „Die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher hat sich – angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten sowie Sorgen um den Arbeitsplatz – merklich eingetrübt. Entsprechend wird mehr gespart und weniger ausgegeben“, erklärt Frerichs. Die Betriebe reagieren somit vorsichtig: Während 13 Prozent mehr Beschäftigte einstellen, reduzieren 19 Prozent ihre Belegschaft (Saldo: -6 Punkte). Und auch die Investitionsbereitschaft bleibt zurückhaltend (Saldo: -3 Punkte).
Als durchgängiger Belastungsfaktor wird weiterhin der Kostendruck genannt. 82 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Einkaufspreisen. Um wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben, haben daher viele Unternehmen ihre Preise angepasst: 52 Prozent melden gestiegene Verkaufspreise. Für die kommenden Monate erwarten 70 Prozent weitere Preissteigerungen auf der Einkaufsseite.
Vor diesem Hintergrund richtet Frerichs deutliche Erwartungen an die Politik: „Unsere Betriebe spüren, dass Arbeit und Investitionen immer teurer werden – durch hohe Energie- und Materialkosten ebenso wie durch eine wachsende Steuer- und Abgabenlast. Entscheidend ist deshalb ein Gesamtkonzept, das Wachstum ermöglicht und den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähiger macht“, sagt der Hauptgeschäftsführer.
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Hintergrund:
An der Konjunkturumfrage im Frühjahr 2026 haben sich 261 Handwerksbetriebe aus dem gesamten Kammerbezirk beteiligt. Weitere Informationen zum Konjunkturbericht und die Aufschlüsselung der einzelnen Handwerksgruppen gibt es auf der Webseite der Handwerkskammer unter www.hwk-aurich.de/konjunktur.