
Präsident Albert Lienemann (2.v.r.) ist mit dem Handwerkszeichen in Gold ausgezeichnet worden. Über die Ehrung freuen sich seine Frau Tina Lienemann (Mitte) mit den Söhnen Arne (links) und Andre (rechts). Tochter Tiana konnte wegen einer beruflichen Fortbildung in Italien nicht dabei sein.
© HWK/W.Feldmann
Handwerk ist eine Lebenshaltung
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks ehrt Albert Lienemann mit dem „Handwerkszeichen in Gold“, der höchsten Ehrung, die das Handwerk zu vergeben hat.
02. Juli 2026
Ostfriesland. Tatkraft, Kompetenz und Leidenschaft – so fasste ZDH-Präsident Jörg Dittrich das Erfolgskonzept von Albert Lienemann an der ehrenamtlichen Spitze des ostfriesischen Handwerks zusammen. Für seine hervorragenden Verdienste um das Gesamthandwerk hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) den Präsidenten der Handwerkskammer für Ostfriesland (HWK) mit dem „Handwerkszeichen in Gold“ ausgezeichnet. Die Verleihung der goldenen Anstecknadel ist die höchste Auszeichnung innerhalb der deutschen Handwerksorganisationen.
ZDH-Präsident Jörg Dittrich hätte die Auszeichnung von Albert Lienemann sehr gerne persönlich vor Ort vorgenommen, befand sich auch schon auf dem Weg nach Aurich. Doch aufgrund wetterbedingter Flugverspätungen am Frankfurter Flughafen konnte er seinen Anschlussflug nach Bremen nicht mehr erreichen. Umso wichtiger war es ihm, sich zumindest per Videokonferenz zur Vollversammlung im Hotel „Köhlers Forsthaus“ zuzuschalten und anlässlich der Verleihung des Handwerkszeichens in Gold die Laudatio auf Albert Lienemann zu halten.
Mehr als ein Amt: Dittrich würdigt Lienemanns Engagement
In seiner Laudatio hob Dittrich das leidenschaftliche Engagement Lienemanns für die ostfriesischen Betriebe hervor und dankte ihm für seinen langjährigen und kompetenten Einsatz für das Handwerk. Seit mehr als zehn Jahren steht der Holtroper an der Spitze der Handwerkskammer und wurde zweimal in seinem Ehrenamt bestätigt. „Was Sie aufgebaut haben an Vertrauen, an Nachwuchsförderung und an politischer Stimme für das Handwerk, das trägt“, betonte Jörg Dittrich. „Er setzt sich dafür ein, dass unser Wirtschaftszweig in der Öffentlichkeit und auf politischer Ebene die Wahrnehmung bekommt, die ihm zusteht: als starker Wirtschaftszweig, als einer der größten Arbeitgeber und Ausbilder im Land. Er hat sein Amt nie bloß verwaltet, sondern es mit Inhalt gefüllt und gute Netzwerke geschaffen,“ würdigte der ZDH-Präsident Dittrich den HWK-Präsidenten und fügte hinzu, dass ihn vor allem auszeichne, das Handwerk nie nur als Beruf, sondern stets als Lebenshaltung verstanden zu haben.
Mit dem Handwerk durch Strukturwandel, Pandemie und Energiekrisen
Über die Auszeichnung zeigte sich Lienemann sehr erfreut. Er nehme die hohe Anerkennung mit Dank für die gute Arbeit des Ehrenamtes, der Mitarbeitenden der Kammer sowie seiner Familie entgegen. Lienemann hat die Interessen des Handwerks aktiv durch bewegte Zeiten begleitet: durch Strukturwandel und Digitalisierung, durch die tiefgreifende Novellierung der Handwerksordnung, durch die Herausforderungen der Corona-Pandemie, durch Energiekrisen, politische Umbrüche und geopolitische Unsicherheiten. Durch sein engagiertes Wirken hat er dazu beigetragen, dass das Handwerk auch in schwierigen Phasen handlungsfähig geblieben ist.
Das Gespräch wurde dabei vom Bürgermeister bis zum Bundeskanzler an der ostfriesischen Teetafel oder im Kronprinzenpalais in Berlin geführt – immer bodenständig, menschlich und nah am Geschehen. „Eine Stimme, die ernst genommen wird, eine Stimme, die Vertrauen genießt, und eine Stimme, die es ausgewogen und sachlich immer wieder schafft, Brücken zwischen ganz unterschiedlichen Interessen zu bauen“, unterstrich Dittrich und dankte auch seiner Frau Tina, die ihn auf seinem Weg begleitet hat.
Auf der Überholspur mit Meistertitel und Sachverstand
Albert Lienemann (61) stieg mit 20 Jahren in den Betrieb seines Vaters ein, nachdem er eine Lehre zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer abgeschlossen hatte. Die Geschichte des Familienunternehmens am Heerweg in Holtrop reicht mehr als 130 Jahre zurück. Im Jahr 1991, mit 26 Jahren, übernahm Lienemann die Firma Wärmetechnik Holtrop Ostfriesland GmbH. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits zwei Meistertitel in der Tasche: einen im Zentralheizungs- und Lüftungsbauerhandwerk und einen im Gas- und Wasserinstallateurhandwerk. Da Stillstand nicht sein Ding ist, bildete er sich noch zum Betriebswirt des Handwerks, zum Diplom-Badgestalter SHK und zum Sachverständigen weiter.
Das Familienmotto „Immer anders sein als andere!“
Unterstützt wurde und wird er dabei von seiner Frau Tina, „ohne die es nicht geht“, wie er immer wieder betont. Sie ist seine Wegbegleiterin, Ratgeberin und Partnerin. Gemeinsam haben sie drei erwachsene Kinder: Andre (34), Arne (31) und Tiana (27). Die Familienbande der Lienemanns sind eng und der Einsatz fürs Ehrenamt groß. Auch Tina Lienemann setzt sich für mehrere Jahre bei den UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) des Arbeitskreises Ostfriesland als Vorsitzende ein. Gemeinsam mit seinem jüngsten Bruder Dieter Lienemann übernahmen sie 2019 einen zweiten Heizungs- und Sanitärbetrieb, die Firma Erwin Schäfer GmbH in Carolinensiel. Das Motto der Lienemanns lautet: „Immer anders sein als andere!“ Nachhaltigkeit ist dabei ein zentrales Thema und keine neuere Begleiterscheinung des Berufsbildes, sondern wird seit jeher gelebt und zieht sich durch alle Betriebsstrukturen und Lebensaspekte.
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