KI generiert: Eine Person steht vor einem Regal voller Farb- und Lackdosen.

Bei der richtigen Farbwahl macht ihr keiner was vor: Die angehende Malerin und Lackiererin Lara Vöge hat ein besonderes Gespür für ihr Handwerk.
© HWK/J. Stöppel

Tapetenwechsel in Sevilla

Maler-Azubi Lara Vöge sammelte im Oktober 2025 Praxiserfahrung in Spanien und meisterte dabei die eine oder andere Hürde. Von der Handwerkskammer ist sie jetzt zum Lehrling des Monats ernannt worden.

3. Februar 2026

Ostfriesland/Sevilla. Oktober 2025: Am Flughafen von Sevilla herrscht Trubel, die Sonne brennt und die Koffer kreisen endlos auf dem Gepäckband. Nur einer nicht: der von Lara Vöge. „Das war mein allererster Flug – und direkt war der Koffer weg“, erzählt sie schmunzelnd. Drei Tage später kam er wieder. „Kaputt, aber immerhin mit allen Sachen.“ Es war ein Start voller Chaos – und gleichzeitig der Beginn eines Auslandspraktikums, das die angehende Malerin und Lackiererin aus Aurich geprägt hat wie kaum ein anderes Erlebnis ihrer Ausbildungszeit. Denn trotz dieses turbulenten Auftaktes machte die 20-Jährige in den folgenden vier Wochen im spanischen Malerbetrieb „MC Interiores“ genau das, was sie auch in ihrer Ausbildung auszeichnet: Sie blieb ruhig, packte an, lernte schnell – und zeigte, dass sie Herausforderungen eher als Einladung sieht. Von der Handwerkskammer für Ostfriesland ist sie dafür jetzt zum Lehrling des Monats Januar ernannt worden.

Jörg Harms, Ausbildungsberater der Handwerkskammer, besuchte Lara Vöge in ihrem Ausbildungsbetrieb „Malerei mit Pfiff“ und gratulierte ihr persönlich zur Auszeichnung. „Ihr Mut, neue Wege zu gehen – gerade mit dem Auslandspraktikum in Sevilla – und Ihr stetiges Engagement verdienen große Anerkennung“, betont Harms. Auch Ausbilder und Chef Erik Wendeling schloss sich dem Lob an. „Als Lara 2023 bei mir anfing, hatte sie keine Vorkenntnisse, aber sofort ein tolles Gespür für ihr Handwerk.“ Und egal ob in seinem Betrieb in Aurich, in der Berufsschule oder – wie in Sevilla – unter völlig neuen Bedingungen: Laras Arbeit falle auf, so der Malermeister. Nicht, weil sie sich in den Vordergrund dränge, sondern weil man ihre Ergebnisse nicht übersehen könne. Präzise, flink, zuverlässig und mit einem sehr guten Blick für Details, der im Malerhandwerk selten so früh zu finden sei. Das Praktikum in Sevilla habe diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt. Vor allem kommunikativ habe Lara dort einen großen Sprung gemacht. „Zu Beginn ihrer Ausbildung hat sie kaum ein Wort gesagt. Das Leben und Arbeiten in Spanien hat ihr geholfen, offener aufzutreten“, erinnert sich Wendeling. Lara sei ein gutes Beispiel dafür, wie positiv sich Praktika im Ausland auf junge Menschen auswirken können.

Und tatsächlich, die vier Wochen in Sevilla hatten es im besten Sinne in sich: Mit sechs weiteren deutschen Azubis aus ganz unterschiedlichen Gewerken – vom Maurer bis zur Goldschmiedin – war Lara im Haus von Rocío, einer älteren Spanierin, untergebracht. Und dort musste vieles geteilt werden: Die Küche zusammen mit der Gastgeberin, das Bad mit den anderen Azubis. „Das war nicht immer einfach, weil wir charakterlich alle schon sehr unterschiedlich waren“, erklärt Lara. Besonders schön sei jedoch gewesen, dass Rocío jeden Tag für die Gruppe gekocht habe – ein fester Ankerpunkt im oft trubeligen WG-Alltag.

Aber nicht nur beim Zusammenleben, sondern auch im Praktikumsbetrieb wurde sie gefordert. Bei „MC Interiores“ durfte Lara überall mit anpacken und in verschiedene Aufgaben hineinschnuppern. Besonders beim Tapezieren konnte sie viele neue Techniken ausprobieren und ihre Fähigkeiten weiter ausbauen. Die Arbeitsweise in dem spanischen Betrieb sei zudem deutlich pragmatischer gewesen, als sie es aus ihrem Arbeitsalltag in Deutschland gewohnt sei. „Dort wird einfach losgelegt, ohne groß vorzubereiten. Wenn Farbe daneben geht, wird das einfach weggewischt“, sagt sie und lacht.

All das – die Mischung aus neuem Arbeitsstil, WG-Leben und fremder Umgebung – habe sie wachsen lassen „sowohl fachlich, als auch persönlich“, resümiert sie ihre Zeit in Sevilla. Für sie steht deshalb fest: „So ein Auslandsaufenthalt bringt einen wirklich weiter. Ich kann nur jedem Azubi empfehlen, die Chance zu nutzen, wenn man sie bekommt.“

Als Azubi die Welt entdecken
Auszubildende, die ebenfalls Lust haben, einmal ausländische Werkstattluft zu schnuppern, können sich an die Mobilitätsberaterin Kirsten Grundmann von der Handwerkskammer Oldenburg wenden. Sie ist die Ansprechpartnerin für alle Azubis aus dem Raum Ostfriesland und Oldenburg. Interessierte erreichen sie entweder unter Telefon 0441 232-275 oder per Mail an grundmann@hwk-oldenburg.de.

4.164 Zeichen