
Am Tag des Handwerks referierten die HWK-Berater Daniel Bigl und Svea Janssen (v.l.) sowie vom SGUJ Prüfdienst Oliver Glowalla (4.v.l.). Das Präsidium und die Hauptgeschäftsführung freuten sich über die gelungene Veranstaltung (v.r.): Hauptgeschäftsführer Jörg Frerichs, Vizepräsident Jörg Klein, Präsident Albert Lienemann, Vizepräsidentin Imke Hennig und Dirk Bleeker (3.v.l.), stellv. Hauptgeschäftsführer.
© HWK/W.Feldmann
Wenn Erfahrung Zukunft schafft
Am Tag des Handwerks informierte die Handwerkskammer Betriebsinhabende und Führungskräfte, wie sie mit Hilfe digitaler Werkzeuge und Künstlicher Intelligenz betriebliches Wissen bewahren und weitergeben können.
23. September 2026
Ostfriesland. Im Handwerk steckt viel Wissen nicht in Ordnern oder Datenbanken, sondern in den Köpfen der Menschen: In den Handgriffen der erfahrenen Gesellinnen und Gesellen, in persönlichen Erfahrungswerten und in Lösungen, die über Jahre im Arbeitsalltag gewachsen sind. Doch was passiert, wenn diese Mitarbeitenden in den Ruhestand gehen oder den Betrieb aus anderen Gründen verlassen? Wie lässt sich wertvolles Wissen rechtzeitig sichern und für die nächste Generation nutzbar machen?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 40 Teilnehmende während eines Handwerkerfrühstücks der Handwerkskammer für Ostfriesland (HWK). Unter dem Motto „Wissen sichern – Zukunft gestalten“ hatte sie Betriebsinhabende, Führungskräfte und Beschäftigte anlässlich des „Tags des Handwerks“ in die Kantine eingeladen. Im Mittelpunkt standen verschiedene Ansätze, das Erfahrungswissen der Mitarbeitenden zu sichern und für die gesamte Belegschaft nutzbar zu machen. Dabei ging es auch um die Frage, wie digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz (KI) diesen Prozess unterstützen können.
Erfahrungswissen als wertvolle Ressource im Handwerk
Wie wichtig Wissenstransfer für die Zukunftsfähigkeit der regionalen Betriebe ist, machte Präsident Albert Lienemann in seiner Begrüßung deutlich. „Erfahrungswerte gehören zu den größten Stärken unseres Wirtschaftszweigs. Damit dieses Wissen nicht verloren geht, wenn langjährige Mitarbeitende den Betrieb verlassen, müssen wir dafür rechtzeitig Strukturen schaffen“, sagte Lienemann. „Künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen. Sie ersetzt aber nicht die Menschen, die ihr Können und ihre Erfahrung in den Betrieb einbringen.“
Mit einfachen Maßnahmen Wissen im Betrieb sichern
An diese Überlegungen knüpfte Betriebsberaterin Svea Janssen in ihrem Vortrag an und richtete den Blick auf die konkrete Umsetzung. Unter dem Titel „Wenn die Babyboomer gehen – Wie bleibt das Wissen im Betrieb?“ erläuterte sie, welche Risiken entstehen, wenn wichtige Abläufe und Erfahrungen ausschließlich in den Köpfen einzelner Beschäftigter vorhanden sind. Dabei ging sie unter anderem auf Erfahrungs-, Prozess- und Kundenwissen ein. Darüber hinaus stellte sie einfache Ansätze vor, die auch in kleinen Betrieben umgesetzt werden können. Dazu gehörten beispielsweise Tandem-Modelle zwischen erfahrenen und jüngeren Beschäftigten, Checklisten und kurze Prozessbeschreibungen, Wissenspatenschaften sowie regelmäßige Besprechungen in Werkstatt und Büro. „Zu Beginn kann man mit kleinen Projekten starten und dann den Prozess Schritt für Schritt verbessern“, riet die Beraterin. Wichtig sei, die Mitarbeitenden einzubeziehen und Wert zu schätzen.

Bei Kaffee, Tee und Brötchen konnten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen im Unternehmen austauschen und neue Ideen für den Umgang mit KI sammeln.
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Wie Digitalisierung und KI den Wissenstransfer unterstützen
Welche Unterstützung Digitalisierung und Künstliche Intelligenz bei der Wissenssicherung bieten können, erläuterte Daniel Bigl, Berater für Innovation und Technologie der Handwerkskammer. „Das Wissen sitzt im Betrieb. Die KI macht es nur zugänglich“, sagte er. In seinem Vortrag „Vom Erfahrungswissen zur Wissensdatenbank – Was KI heute schon für Handwerksbetriebe leisten kann“ erklärte er anschaulich, wie digitale Werkzeuge dabei helfen können, Informationen zu dokumentieren, zu ordnen und im Alltag schneller wiederzufinden. Auch Datenschutz und Datensicherheit sowie die Einbindung der Mitarbeitenden müssten von Anfang an berücksichtigt werden, erklärte Bigl.
Praxisbeispiel: KI-gestützte Wissensdatenbank für Betriebe
Anschließend ging es mit dem Beitrag von Oliver Glowalla von der Theorie in die Praxis. Der Juniorchef des Elektrobetriebs „SGUJ Prüfdienst“ aus Wittmund entwickelte in dem HWK-Projekt „Digitalisierungswerkstatt“ die KI-gestützte Wissensdatenbank „DRUVIS“. Grundgedanke dabei war, die Einarbeitungszeit des schnell wachsenden Personals zu verkürzen. Mittlerweile bietet er die datenschutzkonforme Software auch für andere mittelständische Unternehmen an. Den Teilnehmenden gab er Einblicke, wie die Webplattform im Betriebsalltag mit Wissen gefüttert und die entsprechend relevanten Informationen wieder abgerufen werden können.
Die Handwerkskammer für Ostfriesland unterstützt Betriebe bei Fragen rund um die Themen Wissensmanagement, Betriebsführung, Nachfolge, Digitalisierung und Innovation. Interessierte können sich an die Beraterinnen und Berater wenden. Weitere Informationen gibt es unter www.hwk-aurich.de.
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