Besonders bei den Friseuren ist die Zurückhaltung in der Ausbildung spürbar. Während der Frühjahrs-Modenschau wurde intensiv für den Berufsstand geworben.
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Azubi-Prämie als Motivationsschub

Handwerk begrüßt die Corona-Ausbildungsprämie. Betriebe, die trotz Krise ihr Ausbildungsengagement beibehalten oder steigern, sollen belohnt werden.  

Ostfriesland. Die Handwerkskammer für Ostfriesland bewertet den heutigen Beschluss des Bundeskabinetts zur Einführung einer Ausbildungsprämie als positiv. „Es ist eine wichtige und richtige Unterstützung, um den Ausbildungsmarkt wieder  in Schwung zu bringen“, sagte Präsident Albert Lienemann. Im Kammerbezirk hatte auch die Lehrlingsrolle zum Ende Mai mit 254 neu eingetragenen Ausbildungsplätzen einen erheblichen Rückgang von 101 Verträgen im Vergleich zum Vorjahr (355) zu verzeichnen. Das entspricht einem Minus von 28 Prozent.

Von dem Vorhaben erhofft sich die Handwerkammer, dass sich das Wasserstands-Minus bis zum Jahresende relativieren wird. Noch bis Oktober können neue Lehrverträge eingereicht werden. Das regionale Handwerk habe durch die Corona-Krise einen erheblichen Dämpfer einstecken müssen, auch wenn die Mehrzahl der Gewerke als systemrelevante Dienstleister während des Stillstandes weiterarbeiten durften. „Viele sind verunsichert und waren zunächst mit der Klärung von Finanzfragen und der Umsetzung von Hygiene-Regelungen beschäftigt“, erklärte Lienemann. Das mache sich besonders bei den Berufen Friseur/in, Automobilkaufmann/frau und Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Bäckerei bemerkbar. Außerdem seien freie Lehrstellen in den Handwerken für Kfz-Technik, Elektronik, Metallbau sowie den bauhandwerklichen Gewerken zu finden. Hinzu komme, dass viele Unternehmen zögerten, ihre Lehrverträge einzureichen, weil sie auf die Entscheidungen der Regierung zur Ausbildungsprämie warteten, berichtete Lienemann.

In dem Programm „Ausbildungsplätze sichern” wollen die Koalitionspartner für dieses und das kommende Jahr insgesamt 500 Millionen Euro bereitstellen. Kernstück ist eine Prämie von 2000 oder 3000 Euro für kleine und mittelständische Unternehmen, die „in erheblichem Umfang” von der Krise betroffen sind und dennoch ausbilden. Allein dafür werden in den Eckpunkten bis zu 280 Millionen Euro veranschlagt. Zudem soll es Hilfen geben, wenn Kurzarbeit für Lehrlinge vermieden wird oder wenn Auszubildende aus insolventen Betrieben übernommen werden. Konkrete Angaben, wie die Antragsstellung ablaufen wird, gebe es noch nicht. Damit sei erst in den nächsten Wochen zu rechnen, so Lienemann.

Der Präsident appellierte an die Mitgliedsbetriebe, ihre Ausbildungsanstrengungen weiterhin hochzuhalten, damit es nicht zu coronabedingten Verwerfungen auf dem Ausbildungsmarkt komme: „Besonders jetzt ist es umso wichtiger, dem Nachwuchs Perspektiven im Handwerk aufzuzeigen und die Fachkräfte von morgen auszubilden.“  Die Wirtschaftsmacht von nebenan biete mit mehr als 130 Ausbildungsberufen beste Aussichten auf der Karriereleiter.

Die Handwerkskammer stellt eine kostenfreie Lehrstellenbörse auf ihrer Internetseite www.hwk-aurich.de mit einer angeschlossenen App „Lehrstellenradar“ für die Mitgliedsbetriebe zur Verfügung. Auch die aktuelle Handwerks-Kampagne hält mit Slogans wie „Jetzt erst recht: Wir bilden weiter aus!“ kostenfreie Werbemotive zum Herunterladen auf einem Online-Portal breit. Sie sind unter https://werbemittel.handwerk.de abrufbar.

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