Fachverkäuferin Nina Wigge (v.l.), Obermeister Stefan Meyer und seine Frau Heike Meyer zeigen die Zettelflut der letzten Wochen.©HWK/J. Stöppel

Eine Zugabe, die keiner will

Stefan Meyer, Obermeister der Bäckerinnung, hat zur Bonpflicht eine klare Meinung.

Ostfriesland. Egal ob Bäcker, Fleischer oder Friseur alle müssen sich derzeit mit den Themen manipulationssichere Registrierkassen, Belegausgabepflicht sowie mobiles und kontaktloses Bezahlen auseinandersetzen. „Größter Nervfaktor der Bäckereien ist die seit Anfang des Jahres geltende Bonpflicht“, erklärt Stefan Meyer, Obermeister der Bäckerinnung für Ostfriesland. Bei einigen Kunden sorgt sie noch für Erheiterung, bei den Bäckern eher für Kopfschütteln. „An der Ladentheke werden viele Witze gemacht. Viele sind sich einig: Es ist total unnötig“, berichtet der Bäckermeister von der Zettelflut der letzten Wochen.

Meyer ist seit 2009 Obermeister. Im Landkreis Wittmund betreibt er seine Backstube „Der Horster Bäcker Meyer“ mit zehn Angestellten. Im Gespräch mit der Handwerkskammer für Ostfriesland erzählt er von der aktuellen Stimmung der 42 Innungsmitglieder und was die Gesetzesänderung für die Bäcker bedeutet.

Mit der Einführung der Bonpflicht will die Bundesregierung Steuerbetrug eindämmen sowie Transparenz bei der Erfassung von Transaktionen schaffen. „Der Ausdruck der Bons stellt sicher, dass die Einnahme tatsächlich verbucht ist. Die bloße Eingabe in die Kasse reicht nicht aus“, berichtet der 44-Jährige von der Umstellung in seinem Betrieb. Dadurch ist die Kasse aber immer noch nicht manipulationssicher, so wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben. „Um das gewährleisten zu können, benötigen wir ein zusätzliches Gerät. Eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE), die auch Stornierungen nachvollziehen kann“, so der Obermeister weiter. Dieser spezielle Speicher wird ihn mehrere 100 Euro kosten. Den Innungsmitgliedern rät er: „Wenn die vorhandene Kasse noch nicht zu alt ist, ist das die beste Möglichkeit nachzurüsten.“ Eine wirkliche Alternative sieht er nicht. „Natürlich gibt es inzwischen schon Systeme, die den Bon digital herstellen und dann auf das Smartphone senden können“, erklärt er. Eine solche Anschaffung sei für kleine Handwerksbetriebe jedoch viel zu kostspielig.

Auch viele der Innungsmitglieder haben ihre Kassen bereits umgerüstet. „Alle finden es nervig, aber die Nutzung des alten Verfahrens wird vom Finanzamt nur noch bis September geduldet“, so Meyer. Er selbst hält sich schon zu 100 Prozent an die Ausgabe der Bons, 98 Prozent davon verbleiben jedoch direkt in der Bäckerei. „Es passt einfach nicht in unsere Zeit. Wir reden von Klimaschutz. Wir reden von Klimawandel. Wir reden von Müll und Recycling. Und jetzt produzieren wir eine lästige Zugabe, die keiner will“, macht er seine Kritikpunkte deutlich.

Trotz allem hat der Obermeister auch Verständnis für die Entscheidung der Politik. Er hätte sich nur eine andere Vorgehensweise gewünscht: „Ich finde es gut, dass alle ordentlich ihre Steuern zahlen sollen. Schade ist nur, dass die Regierung solche Dinge beschließt, ohne die Betroffenen miteinzubeziehen.“ Denn Theorie und Praxis lägen oft weit auseinander und das wüssten die betreffenden Handwerker eben am besten, so Meyer abschließend.

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Bild_StefanMeyer: Fachverkäuferin Nina Wigge (v.l.), Obermeister Stefan Meyer und seine Frau Heike Meyer zeigen die Zettelflut der letzten Wochen.

Bild_NinaWigge: Bei Fachverkäuferin Nina Wigge ist das (Bon-)Glas immer mehr als halb voll.

Bild_Zettelkiste: Die Fachverkäuferin Nina Wigge (v.l.) und Chefin Heike Meyer können kaum glauben, wie viele Bons seit Anfang des Jahres gedruckt wurden.

Fotos: HWK/J. Stöppel