Das Nahrungsmittelhandwerk meldete im letzten Jahr vor der Krise noch wirtschaftliche Spitzenwerte. In diesem Jahr hat sich das Blatt mit den anhaltenden Restriktionen komplett gewendet.
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Der Konjunkturmotor ist ausgebremst

Die Pandemie spaltet die Wirtschaftslage im regionalen Handwerkskammerbezirk Ostfriesland. Die Bau- und Ausbaugewerke ziehen an. Die Dienstleister für den persönlichen Bedarf, das Nahrungsmittelhandwerk und die Kfz-Branche stagnieren oder kommen nur langsam wieder in Fahrt.

Ostfriesland. Die Corona-Krise hat auch das ostfriesische Handwerk gebeutelt. Das zeigt eine Umfrage der Handwerkskammer für Ostfriesland im ersten Quartal 2021. Hauptgeschäftsführer Jörg Frerichs stellte den konjunkturellen Klimaindikator vor, welcher die Geschäftslage und die Zukunftserwartungen darstellt: „Vergleichsweise kommt das Handwerk gut durch die Krise. Mit Blick auf die einzelnen Handwerksgruppen klaffen die Werte jedoch deutlich auseinander.“ Die Lage ist geprägt von Auftragseinbußen und Umsatzrückgängen. 43 Prozent der Betriebe verzeichnen sinkende Umsätze und jeder Dritte Auftragsstornierungen. Jedes fünfte Unternehmen ist nicht einmal zur Hälfte ausgelastet. „Dies stellt einen traurigen negativen Höchstwert im Vergleich zu den Vorjahren dar“, bewertete Frerichs das Zahlenwerk.

Damit einhergehend zeigt sich ein Trend zu weiteren Preissteigerungen für handwerkliche Dienstleistungen und Produkte. 42 Prozent mussten ihre Preise anpassen. Das ist unter anderem den enorm gestiegenen Kosten im Einkauf geschuldet. „Erfreulich ist, dass das Handwerk sich als krisensicherer Arbeitgeber bewährt hat“, erklärte Frerichs. Insgesamt 82 Prozent der Unternehmer konnten ihre Mitarbeiter weiterhin in Lohn und Brot halten oder stellten neue ein. 18 Prozent mussten Personal entlassen.

Mit Blick auf den Geschäftsklima-Index werden die Auswirkungen in der größten Krise der Nachkriegszeit auf den Wirtschaftszweig deutlich: Der Indikator ist um 21 auf 112 Punkte (Vorjahr 133) abgefallen. Waren im letzten Jahr insbesondere die Gewerbe für personenbezogene Dienstleistungen (Friseure, Kosmetiker, Fußpfleger, Fotografen usw.) und andere Handwerker mit Ladengeschäften von den Lockdown-Phasen stark betroffen, ziehen sich jetzt die Folgen der Pandemie durch fast alle Gewerke. 76 Prozent meldeten eine weiterhin gute oder befriedigende und rund ein Viertel eine schlechtere Wirtschaftssituation. Diese Bewertung spiegelt auch die Erwartungen der kommenden Monate wider.

Dennoch zeichnet sich in den einzelnen Handwerksgruppen ein differenziertes Bild ab. Trotz Winterpause und Pandemie weist das Bauhandwerk Spitzenwerte auf. „Die Bauboom-Phase ist ungebrochen und treibt die Konjunktur an“, kommentierte Hauptgeschäftsführer Frerichs. Mit einem Geschäftsklima-Index von 142 Punkten (Vorjahr 138) legten die Baubetriebe um 4 Zähler zu. Kunden müssen sich auf bis zu einem halben Jahr Wartezeit einstellen.

Auch die Ausbauhandwerke liegen mit einem Wert von 130 Indexpunkten (Vorjahr 133) auf einem hohen Niveau. Ebenso wie das Baugewerbe rechnen etwa die Maler, Elektroniker, Tischler oder Fliesenleger auch zukünftig mit einem hohen Auftragsvolumen.

Dahingegen ist die Lage bei den gewerblichen Zulieferern angespannt. Sie verlieren 7 Indexpunkte und weisen einen Skalenwert von 106 (Vorjahr 113) auf. Sinkende Umsätze und eine schlechte Auftragslage prägen das Bild.

Führte das Nahrungsmittelgewerbe vor einem Jahr noch die Wirtschaftslage an, hat sich das Blatt komplett gewendet. Mit den von der Regierung angeordneten Schließungen der gastronomischen Bereiche und der Veranstaltungsverbote reihen sich die Bäcker, Fleischer und Konditoren mit ihren angeschlossenen Cafés, Imbissen und Catering-Services in die unteren Ränge ein. Sie liegen mit 87 Indexpunkten auf dem drittletzten Platz (Vorjahr 173). Dennoch blicken die Inhaber optimistisch in die Zukunft: Jeder Zweite rechnet in den kommenden Monaten mit einer Besserung.

Auch das Kfz-Handwerk musste als Folge der anhaltenden Restriktionen in den letzten Monaten eine geringere Auslastung der Werkstätten verbuchen. Das schlägt sich mit einem Rückgang um 44 auf 78 Indexpunkten (Vorjahr 122) nieder. Mit einer Besserung wird in den kommenden Monaten nicht gerechnet.

Schlusslicht der Frühjahrskonjunkturumfrage bilden die Handwerke für den persönlichen Bedarf mit 55 Punkten (Vorjahr 137). Durch den Lockdown und die Betriebsschließungen über mehrere Monate berichten per Saldo 65 Prozent der Friseure, Kosmetiker, Fotografen, Textilreiniger und Co. von einer schlechten Geschäftslage. Jeder fünfte Betrieb hat Personal abgebaut und 82 Prozent melden Umsatzverluste und fehlende Aufträge. Da die Salons, Studios und Ladengeschäfte mit entsprechenden Hygienekonzepten der Pandemie entgegenwirken, blickt jeder Vierte optimistisch in die Zukunft. Jedoch prognostiziert jeder Fünfte, dass sich Umsätze und Aufträge in den kommenden Monaten nicht steigern lassen werden.

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Bild: Die Baubranche gehört zu den Treibern der ostfriesischen Wirtschaftskonjunktur.
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Bild: Das Nahrungsmittelhandwerk meldete im letzten Jahr vor der Krise noch wirtschaftliche Spitzenwerte. In diesem Jahr hat sich das Blatt mit den anhaltenden Restriktionen komplett gewendet.
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